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Was immer man von den Äußerungen des CDU-Fraktionsvizes Linnemann zu Deutschkenntnissen von Migrantenkindern fachlich halten mag: Die anschließenden Reaktionen sind ein Armutszeugnis für die hiesige Debattenkultur. Da wird von Diskriminierung, Fremdschämen und Stimmenfang im rechten Sumpf schwadroniert, statt über das eigentliche Problem zu reden: Wie können ausländische Kinder mit Sprachproblemen gerade im Grundschulalter sinnvoller unterrichtet und gefördert werden?

Offenkundig gibt es hier wachsende Defizite, die beseitigt werden müssen. Carsten Linnemann hat den Finger in diese Wunde gelegt. Dafür sollten ihm alle Integrationswilligen dankbar sein. Denn je früher politisch und praktisch gegengesteuert wird, desto eher lassen sich die neuen Herausforderungen an den Schulen bewältigen. Und nur darum darf es gehen.

Auch Kinder mit Migrationshintergrund, die zunächst kein oder nur kaum Deutsch können, sollten so schnell wie möglich in den ganz normalen Unterricht einbezogen werden. Vorherige oder begleitende Sprachförderung könnten der richtige Weg sein. Finanzierung und Organisation solcher Maßnahmen mögen noch so schwierig sein. In jedem Fall lohnt es sich, die entsprechenden Wege frühzeitig zu sondieren. Hier gilt: wer früh hilft, hilft doppelt. Denn ein verpatzter Start ins Leben ist nur mühsam wieder wettzumachen.

Alle Kinder in Deutschland, egal welcher Herkunft, müssen die bestmöglichen Chancen zu ihrer schulischen Entwicklung bekommen. Sprachkenntnisse sind dafür eine ganz wesentliche Voraussetzung. Hinzu kommt, dass gerade in jungen Jahren die Weichen für eine milieu-übergreifende Integration gestellt werden. Deshalb ist so wichtig, dass Kinder mit unterschiedlichen nationalen Hintergründen möglichst früh zusammen lernen und spielen.

Linnemanns Kritiker sollten ihn daher nicht pauschal verdammen sondern beim Wort nehmen und gegebenenfalls eigene Vorschläge präsentieren. Sonst könnten die betroffenen Eltern den fatalen Eindruck gewinnen, in der politischen Öffentlichkeit werde aus falsch verstandener Rücksichtnahme an den realen Problemen vorbeigeredet. Damit ist niemandem gedient – außer Kräften, die den demokratischen Parteien ohnehin Täuschung und generelle Missachtung des „wahren“ Wählerwillens unterstellen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)