Die vereinbarte Waffenruhe für Syrien hat gleich zu Beginn gehalten. Dies ist ein doppelter Gewinn – für die Zivilbevölkerung, die wenigsten etwas Ruhe in all ihrem Unglück finden konnte. Und für die amerikanisch-russische Diplomatie, die ihre Durchsetzungskraft im Falle gemeinsamen Vorgehens demonstriert hat. Doch wie lange diese Achse Washington-Moskau im Syrienkonflikt hält, ist leider völlig offen. Die bisherigen Erfahrungen bieten keinen Anlass zu Optimismus. Umso wichtiger wäre es, wenn die Europäer das politische Feld nicht länger allein Amerikanern und Russen überließen, sondern endlich ihr ganzes politisches und wirtschaftliches Gewicht für eine Friedenslösung einsetzen würden.

Dies ist nicht nur ein Gebot der Humanität. Auch die Flüchtlingssituation gebietet ein stärkeres Engagement der EU. Denn angesichts der vielen Kämpfe und Zerstörungen suchen Millionen Syrer Rettung und Hilfe in der Europäischen Union. Die wiederum bemüht sich verzweifelt um Antworten, wie sie der Herausforderung stand halten kann. Dabei treten Risse und Ressentiments zu Tage, die man in der Union längst für überwunden glaubte. Was liegt da näher, als die politische Flucht nach vorne anzutreten, sprich: mit einer gemeinsamen Syrieninitiative den Krieg als Wurzel allen Übels stoppen zu helfen?

Noch ist die EU auf eine solch abgestimmte Außenpolitik nicht vorbereitet. Die Mitgliedsstaaten waren bislang nicht bereit, die entsprechenden Kompetenzen und Ressourcen nach Brüssel abzugeben. Wie sehr dies den Interessen aller schadet, zeigt der Syrienkonflikt: Kein Einfluss auf das dortige Geschehen, aber dann doch Schultern der daraus folgenden Lasten, sprich Flüchtlingswelle. Eine solch düstere Bilanz sollte auch die heftigsten Verfechter von nationalen Souveränitätsvorbehalten in der EU zum Nachdenken veranlassen. Weniger kann manchmal mehr sein – jedenfalls mit Blick auf eine wirksamere Vertretung der EU-Außeninteressen.

Unabhängig davon geht es vorrangig darum, das schreckliche Leid der Menschen in Syrien so rasch wie möglich zu mildern. Jede Feuerpause, so brüchig sie auch sein mag, ist allemal besser als weiteres Schießen und Bomben. Deshalb kann man nur hoffen, dass die russisch-amerikanische Initiative erfolgreich bleibt – am besten mit, aber notfalls auch ohne stärkere europäische Beteiligung.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)