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Der Marsch von Tausenden Migranten aus Mittelamerika in Richtung USA kommt Donald Trump wie gerufen. Der US-Präsident kann damit all seine Register an Halbwahrheiten, Hass und Hetze ziehen, um vor den anstehenden Kongresswahlen zu punkten.

Dass die Flüchtlinge noch weit über 3000 Kilometer von der amerikanischen Grenze entfernt sind, spielt für ihn keine Rolle. Auch nicht, dass er selbst die Probleme durch sein Aus an Wirtschaftshilfe für die betroffenen Staaten verschärft. Trump setzt allein auf Emotionen, um die USA zu spalten – in der Hoffnung, dass seine Anhänger den größeren Teil bilden und zudem bestens für die Stimmabgabe mobilisiert sind.

Diese perfide Strategie spielt mit dem Schicksal von notleidenden und verzweifelten Menschen. Aber sie könnte für Trump aufgehen. Denn die Furcht vor illegaler Einwanderung sitzt auch in den USA tief. Und der Präsident demonstriert, dass er die Grenze mit harter Hand schützen will. Allein dies scheint zu zählen.

Der dramatische Verlust an Anstand und Humanität wird von Trumps Anhängern kalt weggelächelt oder – schlimmer noch – als Gefühlsduselei verspottet. Und der moderate Teil der Gesellschaft schaut dem Treiben zu, kritisiert oder empört sich gelegentlich. Doch er beendet den Spuk nicht. Umfragen lassen befürchten, dass es damit noch geraume Zeit weiter gehen könnte.

Trump mag kurzfristig weiter Erfolg haben. Aber er hinterlässt verbrannte Erde, die die USA für längere Zeit negativ verändert. Dabei wäre es als Präsident eigentlich seine Pflicht, die Nation zu schützen und zu führen. Auch im Kampf gegen illegale Einwanderung.

Natürlich müssen die Amerikaner die Kontrolle über ihre Grenzen behalten. Nicht jeder Mittel- oder Südamerikaner, der sich gen Norden aufmacht, kann aufgenommen werden. Doch Zurückweisungen allein reichen nicht. Es gilt, die wesentlichen Fluchtursachen in den Herkunftsländern zu beseitigen oder wenigstens zu mildern: Armut, Korruption und Gewalt.

Trump hat daran kein Interesse. Mehr noch, er versucht politischen Profit aus Not und Verzweiflung in den Nachbarstaaten zu schlagen. Dafür gibt es nur ein Wort: abstoßend.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)