In dieser Woche wird es für Donald Trump auf dem Parteitag der Republikaner ernst. Die Nominierung als Kandidat ist ihm zwar nicht mehr zu nehmen. Herausragend aber bleibt die Botschaft, die Trump aus Cleveland an die unentschlossenen und bislang ablehnenden Wähler sendet – kurz, er muss stärker präsidiabel wirken ohne dabei sein bisheriges Erfolgsrezept als Politrabauke aufzugeben. Wie ein solcher Spagat möglich ist, zeigt Trumps Entscheidung für Mike Pence als geplanten Vizepräsidenten.

Der Gouverneur aus Indiana hat drei wesentliche Eigenschaften, die seinem neuen Chef fehlen: Er gilt als recht seriös, gut vernetzt und obendrein ziemlich langweilig. Zusätzliche Wählerschichten kann Trump mit so einem Mann an seiner Seite gewiss nicht mobilisieren. Dafür fehlt Pence so ziemlich alles – vom Charisma bis zur zündenden Rhetorik. Doch er dürfte Trumps schillernder Kampagne in Teilen der Öffentlichkeit einen etwas biederen, harmloseren Anstrich geben. Und dies ist für den Milliardär momentan wichtiger als alles andere. Denn aus Trumps Sicht darf sein möglicher Einzug ins Weiße Haus keine unnötigen Ängste in der Bevölkerungsmehrheit auslösen. Sonst könnte es eine breite Mobilisierung zu Gunsten seiner demokratischen Konkurrentin Hillary Clinton geben – der Alptraum für Trumps Wahlkampfstrategen.

Die Nominierung von Pence hat insofern rein taktische Gründe. Inhaltliche Akzente sind mit der Person des Gouverneurs nicht verbunden. Diese Botschaft übernimmt Trump ohnehin lieber selbst. Er beherrscht die populistische Schlagwort-Klaviatur, um Frustrierte, Verlierer und Fanatiker aus allen Schichten in Hochstimmung zu versetzen. Nur eines dürfen sie anschließend nicht: ihn beim Wort nehmen. Denn dann würden sie schnell merken, wie sehr er ihnen bloß nach dem Mund geredet hat.

Man darf nach dem Votum für Pence gespannt sein, wie weit Trump in Cleveland noch auf die Skeptiker und Kritiker unter den Delegierten zugehen wird. Dies dürfte schon viel über die Tonlage seiner Kampagne bis zum Wahltag Anfang November verraten – böse und peinliche Überraschungen natürlich immer eingeschlossen. Denn Trump wäre nicht Trump, wenn er ähnlich berechenbar und korrekt daherkommen würde wie ein Mike Pence…

(Für Pressekorrespondenz Berlin)