Nur wenige Tage trennen Donald Trump noch vom Weißen Haus – ein Traum für den selbstbewusst, eitlen Milliardär. Doch spätestens nach der Amtsübernahme wird er seine bisherige Rolle als überheblicher Politrabauke überdenken müssen. Sonst droht nicht nur der Nation ein Desaster, sondern ihm persönlich auch das Schlimmste, was einem solchen Egozentriker widerfahren kann: vor einem Millionenpublikum vorgeführt, ja gedemütigt zu werden.

Filmstar Meryl Streep hat jetzt bei der Verleihung der Golden Globes gezeigt, wie dies gehen kann. Ihr bewegendes Plädoyer gegen Diskriminierung und Arroganz, für Anstand und freie Presse war ganz großes Kino, ausgestrahlt in alle Welt. Trump und seinen Mitarbeitern dürften die Ohren geklungen haben.

Der künftige Präsident wird deswegen gewiss nicht über Nacht seine Ansichten und sein Auftreten ändern. Auch eine dreifache Oscargewinnerin wie Streep kann keine politischen Wunder bewirken. Sie ist letztlich nur eine Schauspielerin, ohne Amt und Mandat. Aber Trump musste erkennen, dass auch vermeintlich Schwache unversehens die große Bühne nutzen, um ihm mit Gefühl und Glamour die Leviten zu lesen. Das sollte ihn bei öffentlichen Auftritten zumindest vorsichtiger machen.

Billige und unanständige Gags auf Kosten anderer müssen künftig unterbleiben. Sie sind würdelos und gefährlich, bieten Gegnern im Nachhinein zu viele Angriffsflächen. Trump hat zwar mit Theatralik die Präsidentenwahl gewonnen. Aber nun wird dieses Erfolgsrezept zur Gefahr. Denn umso größer ist der Anreiz für Kritiker, ihm ebenfalls mit publicityträchtigen Mitteln die Show zu stehlen.

Gleichwohl: Die Wahl ist gelaufen, und Trump hat gewonnen. Das müssen auch Hollywoodstars notgedrungen akzeptieren. Sie dürfen deshalb bei allem Unbehagen über diesen Präsidenten den Bogen nicht überspannen. Kritik und Empörung wie jetzt bei Streep ja, aber Nein zu Verunglimpfungen und Beleidigungen. Sonst könnte das Pendel zurückschlagen, weil Trump dann erst Recht den wilden, ungehobelten Mann spielt. Und an einem hasserfüllten Amerika, das sich gesellschaftlich noch tiefer spaltet, sollte niemand gelegen sein. Vor allem nicht Menschen, die sich für Schwache und Benachteiligte einsetzen. Denn sie wären die Ersten, die in einem politischen Kulturkrieg dieser Art unter die Räder kämen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)