Je deutlicher sich die Konturen der jüngsten Wikileaks-Veröffentlichungen abzeichnen, desto fragwürdiger erscheinen die Methoden der Enthüllungsplattform. Den Betreibern geht es offenkundig nicht mehr darum, „nur“ Missbräuche durch amerikanische Geheimdiensten aufzudecken und so für mehr Transparenz und Demokratie zu sorgen. Vielmehr erhalten Diktaturen und Kriminelle jetzt massenweise neue Werkzeuge frei Haus, mit denen sie ihrerseits auf Datenraub und Sabotagetour gehen können – ein ebenso verwerfliches wie leider wohl erfolgsversprechenden Unterfangen.

Die USA und Europa stehen damit vor gewaltigen Herausforderungen im Bereich Internet. Denn sie befinden sich im Zentrum der Enthüllungen von Wikileaks. Russland, China oder Unrechtsstaaten in der Dritten Welt gehören wieder einmal nicht dazu. Reiner Zufall? Es fällt mittlerweile schwer, daran zu glauben. Eher drängt sich der Verdacht auf, Wikileaks diene zunehmend – bewusst oder unbewusst – als Beeinflussungsinstrument von anti-westlichen Geheimdiensten. Deren Ziel: Den freiheitlichen Gegners schwächen, indem dessen politische und wirtschaftliche Grundlagen zersetzt werden.

Gewiss, Enthüllungen mit Hilfe verborgener Informanten können in Einzelfällen legitim sein, um positive Veränderungen zu erzwingen. Dies gilt nicht zuletzt mit Blick auf den US-Geheimdienst CIA. Dessen Methoden stehen nach den Veröffentlichungen von Edward Snowden zu Recht in der Kritik. Doch je brisanter das betreffende Material ist, desto genauer sollte es inhaltlich und rechtlich geprüft werden. Für Journalisten gehört so etwas zum Handwerk. Anders leider bei den „Aufklärern“ von Wikileaks, die ohne Rücksicht auf Konsequenzen nahezu alles auf dem Markt werfen, was ihnen zugespielt wird. Und niemand sollte sich dem Glauben hingeben, bei den Informanten seien durchweg ehrenwerte Motive im Spiel.

Die Konsequenzen können nur lauten: Erstens, den Vorgang aufzuklären versuchen. Zweitens, die Verantwortlichen wenn möglich dingfest machen und bestrafen. Drittens Geheimdienste rechtlich streng kontrollieren und vor allem viertens: Sich noch schneller und massiver als bisher gegen Cyber-Angriff schützen. Denn auch in Deutschland haben Staat, Unternehmen und Öffentlichkeit die Gefahren zwar seit langem gesehen, aber vielleicht nicht immer ernst genug genommen. Spätestens jetzt muss damit Schluss sein.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)