Der amerikanische Raketenangriff auf Syrien ist irritierend, ja beunruhigend. Denn vor kurzem noch wollte sich Präsident Trump aus diesem Konflikt völlig heraushalten. Die USA müssten sich stattdessen um sich selbst kümmern, hieß es. Und jetzt schickt eben dieser Trump Marschflugkörper – mit politischer Berechenbarkeit und Strategie hat dies nichts zu tun, eher mit einem spontanen Schuss aus der Hüfte.

Ein solches Verhalten ist gefährlich und kann schnell außer Kontrolle geraten. Ganz abgesehen davon wirkt der Militärschlag völkerrechtlich heikel. Denn das Assad-Regime ist zwar kriminell und verabscheuungswürdig. Doch belastbare Beweise, dass es für den kürzlichen Giftgas-Einsatz verantwortlich ist, lagen vor dem amerikanischen Angriff öffentlich nicht vor – von einem entsprechenden Mandat der UNO ganz zu schweigen.

Entscheidend ist, dass Trump jetzt nach den Militärs auch Diplomaten zur Beendigung des Syrienkriegs schickt. Denn klar ist: Washington kann das unsägliche Morden nicht allein stoppen. Dazu müssen andere Akteure wie Russland oder der Iran mit einbezogen werden. Erst wenn Assad auch von dieser Seite unter massiven Druck kommt, dürfte er endgültig zu stoppen sein. Doch will und kann sich Trump auf solche komplizierten, mühseligen Verhandlungen und Interessensausgleiche einlassen? Zweifel sind angesichts seines bisher so impulsiven und populistischen Politikstils angebracht.

Für die leidgeprüften Menschen in Syrien ist daher keine Besserung in Sicht. Mehr noch: Durch den jüngsten US-Angriff könnte der Konflikt sogar weiter eskalieren. Denn würde Trump etwa militärisch stillhalten, wenn es erneut zu einem Giftgasangriff käme? Dann stände er als Papiertiger da. Oder würde er noch mehr Raketen oder gar Bodentruppen einsetzen? Dann wäre die Lage leicht ganz außer Kontrolle – bis hin zu einer direkten Konfrontation von amerikanischen und russischen Soldaten.

So oder so: Trumps erster Militäreinsatz bietet kaum Chancen, aber birgt eine Menge Risiken. Die Europäer sollten daraus für sich die entsprechenden Rückschlüsse ziehen: Erstens sich noch deutlich stärker als bisher für eine baldige politische Lösung in Syrien einsetzen. Und zweitens Trump und die USA drängen, sich endlich wieder als Teamplayer in internationalen Strukturen wie UNO oder NATO zu bewegen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)