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Die Welt schaut gebannt auf das Gipfeltreffen von Donald Trump und Kim Jong Un in Vietnam. Es keimt vorsichtige Hoffnung auf Frieden und Stabilität im geteilten Korea. Dabei ist viel Wunschdenken im Spiel. Denn jahrzehntealte Konflikte lassen sich – wenn überhaupt – nur schwer entschärfen oder gar lösen. Ein erschreckendes Beispiel hierfür ist die jüngste Eskalation in der Kaschmir-Region.

Der Abschuss zweier indischer Kampfflieger wird vom pakistanischen Militär als Vergeltung für vorherige Attacken gerechtfertigt. Indien wiederum beschuldigt den Nachbarn, terroristische Gruppen zu unterstützen und somit für blutige Anschläge mitverantwortlich zu sein.

Objektiv nachprüfen lassen sich diese Behauptungen kaum. Doch letztlich spielen Fakten und die aktuelle Schuldfrage auch keine Rolle mehr. Der Konflikt hat längst seine eigenen Automatismen und politischen Routinen entwickelt. Entscheidend ist der jahrzehntealte Hass auf beiden Seiten. Zudem herrscht ein abgrundtiefes Misstrauen verbunden mit dem Bemühen, sich wechselseitig möglichst stark zu schaden.

Die Auswirkungen sind brisant. Denn Indien und Pakistan stehen jetzt wieder einmal kurz vor einer atomaren Auseinandersetzung – mit dann dramatischen Folgen nicht nur für Asien. Internationale Initiativen zur dauerhaften Entschärfung der Lage sind daher überfällig. Die Erfolgschancen mögen noch so schlecht sein, aber bloßes Abwarten ist keine seriöse Alternative.

Der Konflikt um Kaschmir hat schon viel zu viele Menschenleben gekostet. Auch die wirtschaftlichen und sozialen Folgen sind äußerst negativ. Es werden von beiden Staaten Ressourcen vorgehalten, die an anderer Stelle für die Armutsbekämpfung und die ökonomische Entwicklung fehlen. Hinzu kommt, dass weder Pakistan noch Indien hoffen dürfen, in absehbarer Zeit als militärische Sieger aus den Auseinandersetzungen hervorzugehen. Fazit: Eine friedliche Zukunft der Region kann nur durch Verhandlungen erreicht werden.

Den Anstoß dazu sollte von Amts wegen der UNO-Generalsekretär geben. Er könnte zugleich als Vermittler dienen. So ließe sich am besten sicherstellen, dass der Konflikt nicht durch eine Verkettung von Fehlentscheidungen regionaler Akteure plötzlich und ungewollt vollends außer Kontrolle gerät.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)