Das Ansehen von  Donald Trump ist nach einem Jahr Amtszeit auf einem historischen Tiefpunkt. 59 Prozent der Bürger lehnen seine Arbeit als Präsident ab. Dies zeigt die jüngste nationale Umfrage des renommierten Pew Research Centers in Washington. Andere Institute kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Und ein Twitter-Mitarbeiter, der den Account Trumps für elf Minuten kurzerhand abgeschaltet hat,  wird jetzt sogar im Netz gefeiert. Peinlicher geht es kaum.

Doch den Präsidenten scheint dies wenig zu scheren. Er setzt seine politische Geisterfahrt unbeirrt fort, ausfallend im Ton und skandalös in der Sache. Und die Kontrahenten im Kongress? Sie wirken kraftloser denn – ein Trauerspiel.

Insbesondere Trumps republikanische Partei gibt hier ein schlechtes Bild ab. Denn der Präsident hat es leider geschafft, die Abgeordneten und Senatoren über ihre jeweilige Heimatwahlkreise unter Druck zu setzen. Dabei ist ihm jede falsche Behauptung, jede politische Erpressung recht, sofern sie nur den von ihm gewünschten Effekt hat: Loyalität oder zumindest öffentliches Stillhalten, wenn wieder einmal seltsame Projekte im Weißen Haus geplant werden. Die wenigen kritischen Stimmen aus dem Kreis der Republikaner sind zwar höchst ehrenwert, aber letztlich ohne Belang. Sie reichen bei weitem nicht aus, um Trump zu beeindrucken oder gar in seinen verbalen Amokläufen zu stoppen.

Beispiel sind die Twitter-Kommentare des Präsidenten zum Attentäter von New York. Kein Amtsinhaber vor ihm hat die Justiz des Landes in ähnlicher Weise aufzuhetzen versucht. Denn allein Gerichte dürfen laut Verfassung über einen Verbrecher urteilen und das Strafmaß festlegen. Das ist ein eherner Grundsatz der Gewaltteilung. Der Ruf nach Todesstrafe aus dem Weißen Haus bedeutet vor diesem Hintergrund eine zynische Missachtung von Demokratie und politischem Anstand. Trump ist schließlich keine x-beliebige Privatperson, die einfach mal ungeschminkt ihre Meinung sagen darf. Als Präsident hat er die Pflicht, die Werte der amerikanischen Verfassung zu schützen statt mit populistischem Gerede auszuhöhlen. Das missachtet er fast täglich.

Es gibt nur eine einzige Lösung: Die US-Bürger müssen nicht nur in Umfragen sondern auch in Wahlkabinen ein klares Nein zu Trumps Politik sagen. Bis dahin heißt es, den Schaden durch diesen Präsidenten so gering wie möglich zu halten.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)