Der fürchterliche Anschlag in St. Petersburg bestätigt zweierlei: Russland bleibt ein Hauptangriffsziel von Terroristen. Und der Kreml ist auf internationale Zusammenarbeit zwingend angewiesen, um seine Bürger im eigenen Land wirksamer vor politischer Gewalt zu schützen.

Beides spricht für eine baldige Entspannung in den Ost-West-Beziehungen. Präsident Putin führt sich zwar momentan wie ein selbstherrlicher Zar auf – siehe sein Vorgehen auf der Krim, in der Ukraine und in Syrien. Aber dies nützt Moskau im Grunde wenig bis nichts. Denn die wesentlichen Probleme wie Terrorismus und Wirtschaftswachstum vor denen Russland steht, können nur gemeinsam mit den USA und der EU gelöst werden.

Putin muss sich daher schon aus Eigeninteresse mäßigen, um neue Kooperationen zu ermöglichen – nicht zuletzt im Kampf gegen den Terrorismus. Dies setzt voraus, dass er die internationalen Spielregeln und das Völkerrecht achtet, um von ihm zerstörtes Vertrauen wieder aufzubauen. Ist Putin dazu bereit, dient er den Interessen seines Landes besser als durch noch mehr Härte und immer neue Tricks.

Vor allem die Bedrohung durch islamistische Terroristen jeglicher Couleur ist eine gemeinsame Gefahr für Russland und den Westen. Vieles spricht dafür, dass auch der jüngste Anschlag einen entsprechenden Hintergrund hat. Und egal ob in Berlin, Paris oder St. Petersburg: Es sind jedes Mal unschuldige Zivilisten, die zu Opfern von fanatischen, politisch motivierten Gewalttätern werden. Umso wichtiger ist es, dass die betroffenen Staaten ihre ideologischen und strategischen Hindernisse überwinden, um dieser Geißel der Menschheit Herr zu werden.

Natürlich kann dies nicht über Nacht Erfolg haben. Denn ein Patentrezept gegen zu allem bereite Terroristen hat niemand. Doch in jedem Fall gilt es die Ursachen dieser politisch motivierten Gewalt stärker als bisher gemeinsam anzugehen: Nationaler und religiöser Hass, kulturelle Gleichschaltung und staatliche Willkür, Armut und Arbeitslosigkeit in vermeintlich perspektivlosen Regionen der Welt.

All dies ist wichtig, greift jedoch eher mittel- bis langfristig. Kurzfristig muss daher in Europa anderes im Vordergrund stehen: Mitgefühl mit den Opfern von St. Petersburg und – bei Bedarf der russischen Behörden –Hilfe bei der Fahndung nach den Kriminellen, die für die Bluttat unmittelbar oder als Drahtzieher verantwortlich sind.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)