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Friedrich Merz steht für ein Ministeramt bereit. Dies hat er jetzt in einem Interview bekräftigt. Die CDU darf sich darüber mit Blick auf die nächsten Wahlkämpfe freuen. Denn Merz ist ein ebenso kompetenter wie rhetorisch brillanter Politiker. Er kann motivieren und begeistern – Eigenschaften, die bei anderen Führungspersonen der Union zumeist weniger stark ausgeprägt sind.

Zugleich ist die Rückkehr von Merz ein persönlicher Pluspunkt für Annegret Kramp-Karrenbauer. Offenkundig hat es die neue CDU-Chefin geschafft, ihren zunächst frustrierten Rivalen zurück ins gemeinsame Boot zu holen. Das zeugt von Souveränität und Integrationskraft. Beides sind unerlässliche Voraussetzungen für das eigentliche Ziel von Kramp-Karrenbauer: Den baldigen Einzug ins Bundeskanzleramt.

Die Saarländerin ist mittlerweile unangefochten die Nummer eins der Union. Dies war nach ihrem Sieg gegen Merz bei der Wahl zum CDU-Vorsitz nicht unbedingt zu erwarten. Zu knapp ist damals das Ergebnis, zu groß die Enttäuschung des konservativen Flügels der Partei gewesen. Damit dürfte Kramp-Karrenbauer jetzt auch die Kanzlerkandidatur der Union sicher sein, sofern sie danach – wie erwartet – streben sollte.

Selbst Merz scheint mittlerweile seinen Frieden mit der neuen Chefin gemacht zu haben. Doch eine Hintertür ins Kanzleramt will er sich augenscheinlich weiter offenhalten, indem er eine solche Ambition ausdrücklich nicht ausschließt. Dabei kann dies für ihn momentan nur eine theoretische Möglichkeit für den Fall der Fälle sein.

So gut sich die Union mittlerweile auch bundespolitisch erholt: Eine reibungslose Nachfolge der Kanzlerin ist keinesfalls in Sicht. Angela Merkel wird durch die Regeln des Grundgesetzes fest an ihr Amt gebunden. Die gewünschte Übergabe an Kramp-Karrenbauer könnte de facto nur mit Zustimmung des Koalitionspartners erfolgen. Doch weshalb sollte die SPD der gegnerischen Spitzenkandidatin einfach so den Amtsbonus einer Regierungschefin gönnen? Das wäre geradezu parteischädigend. Nur besondere Umstände dürften ein Ja der Sozialdemokraten möglich machen.

Anders sieht es natürlich bei einem Bruch der Großen Koalition aus. Doch in diesem Fall wären baldige Neuwahlen zu erwarten, und Kramp-Karrenbauer könnte – wenn überhaupt – einen Amtsbonus nur sehr eingeschränkt nutzen…

(Für Pressekorrespondenz Berlin)