Eines muss man Emmanuel Macron lassen: Er hat ein Gespür für nationale Größe und persönliche Gesten. Jüngstes Beispiel ist seine Einladung an Donald Trump, als Ehrengast am französischen Nationalfeiertag mit der traditionellen Militärparade teilzunehmen. Der US-Präsident kann so in Paris zweierlei erleben: Dass die Vereinigten Staaten nicht das glanzvolle und geschichtliche Maß aller Dinge sind; Europa – speziell Franzreich – müssen sich hier wahrlich nicht verstecken. Und dass die politische Verbundenheit zwischen den Kontinenten sehr tief und wertschätzend ist.

Beides scheint neu für Trump zu sein. Dessen Gedankenwelt beschränkte sich bis vor kurzem auf Shows und Geschäfte. Umso wichtiger, dass der französische Präsident hier mit viel Pomp und Privatem politische Nachhilfe erteilt. Macrons Ziele dabei sind klar: mehr persönliche Nähe und die allmähliche Bildung wechselseitigen Vertrauens. Das kann nur begrüßt werden. Denn so oder so: Europa muss sich mit diesem US-Präsidenten wohl oder übel arrangieren.

Mit Anbiedern hat dies nicht das Geringste zu tun. Im Verhältnis zu Trump geht es ausschließlich um die Wahrung europäischer Interessen. Denen ist am besten gedient, wenn es auf der Ebene der Staats- und Regierungschef menschlich möglichst reibungslos abläuft. Macron geht dabei mit gutem Beispiel voran.

Dies ändert natürlich nichts an den großen Differenzen mit Trump etwa in der Klima- und Handelspolitik. Solche Konflikte müssen weiterhin offen und kontrovers diskutiert werden. Aber vielleicht dämmert Trump doch mit der Zeit und nach Eindrücken wie jetzt in Paris, dass die USA besser auf mehr Gemeinsamkeiten mit ihren ältesten Verbündeten setzen sollten.

Die Hoffnung auf einen positiven Wandel ist zwar leider nicht allzu groß. Dafür wirkt der US-Präsident viel zu schillernd und politisch unbedarft, wie auch sein ungeschicktes „Kompliment“ gegenüber Madame Macron zeigt. Doch besser höflich gute Miene zu einem schlechten Präsidenten machen, als die Gräben unnötig vertiefen. Vor diesem Hintergrund ist ein feines Abendessen Macrons mit Trump auf dem Eifelturm Diplomatie im besten Sinne – selbst wenn das offizielle Etikett „unter Freunden“ etwas übertrieben klingt.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)