Mit dem Spitzenduo Cem Özdemir und Karin Göring-Eckardt sind die Grünen gut für die Bundestagswahl aufgestellt. Beide genießen über die Parteigrenzen hinweg persönlichen Respekt. Und sie dürften eine professionelle Medienpräsenz gewährleisten – für die Ökopartei mit teils recht weltfremden Idealisten in ihren Reihen keine Selbstverständlichkeit.

Offensichtlich haben die Grünen erkannt, dass sie nur mit großer inhaltlicher und personeller Geschlossenheit Erfolg haben werden. Dafür spricht auch, dass der äußerst knapp unterlegene Robert Habeck die parteiinterne Urwahl nicht anfechten will. So viel Teamgeist ist in der Politik keine Selbstverständlichkeit. Auch und erst recht nicht bei den Grünen, die viele Jahre lang unter heftigen Flügelkämpfen litten.

Gleichwohl: Das Ergebnis der Urwahl hat innerparteiliche Sprengkraft. Dies betrifft vor allem das eher mäßige Abschneiden von Anton Hofreiter, der abgeschlagen nur auf Platz drei kam. Denn nun ist der linke Flügel – anders als bei der letzten Bundestagswahl 2013 – nicht mehr gleichberechtigt an der Spitze vertreten. Seinerzeit hatte Jürgen Trittin den Platz neben Göring-Eckardt eingenommen, die ebenso wie Özdemir dem realpolitischen Flügel zugerechnet wird. Daher werden jetzt viele linke Funktionäre der Grünen wegen des neuen Spitzenduos murren, zumal sie noch im November auf dem Parteitag in Münster den Ton etwa in Sachen Vermögenssteuer bestimmten. Und jetzt stehen sie im Bundestagswahlkampf eher am Rand – bitter, doch die Basis hat entschieden. Und dort haben linke Parolen und Politiker erkennbar weniger Rückhalt, wie Hofreiters Niederlage zeigt.

Neben Karin Göring-Eckardt darf sich eine weitere Frau über den Ausgang der Urwahl besonders freuen: Angela Merkel. Denn die Kanzlerin hat nun eine deutlich bessere Ausgangssituation für spätere Koalitionsverhandlungen.

Göring-Eckardt und Özdemir sind pragmatisch und wollen regieren. Mit ihnen an der Spitze rückt Schwarz-Grün stärker als bisher in den Bereich des Machbaren, selbst wenn die CSU eine solche Möglichkeit bislang stets voller Empörung von sich gewiesen hat. Merkel dagegen dürfte durchaus Gefallen an dieser Konstellation haben, und sei es auch nur als Druckmittel in Gesprächen mit anderen potenziellen Koalitionspartnern. Motto: Wir haben mehrere Alternativen. Das stärkt im Falle eines Falles die eigene Verhandlungsposition.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)