Endlich einmal eine gute Nachricht zum Thema Donald Trump. Die jetzt bekundete Bereitschaft des Präsidenten, gegenüber dem Sonderermittler Robert Mueller zur Russlandaffäre auszusagen, wird das innenpolitische Klima in den USA etwas entspannen. Denn Trump zeigt damit, dass er sich nun doch an die verfassungsmäßigen Spielregeln halten will. Die immer mal wieder diskutierte Möglichkeit einer Entlassung Muellers durch den Präsidenten ist damit vom Tisch. Sie hätte zu einer Staatskrise in Washington geführt.

Außerdem macht Trumps Kurswechsel deutlich, wie nahe die Ermittlungen Muellers dem Präsidenten bereits gekommen sind. Auch das wird ihn bewogen haben, nun persönlich Rede und Antwort zu stehen. Denn die Vorwürfe, die im Raum stehen, wiegen schwer. Sie könnten Trump das Amt kosten, falls sie sich durch Muellers Ermittlungen bestätigen sollten.

Unzulässige Einflussnahme auf die Justiz, dubiose Geschäfte mit russischen Partnern, illegale Störmanöver gegen die Wahlkampagne von Trumps früherer Konkurrentin Hillary Clinton, Absprachen mit Moskauer Politikern und Geheimdienstlern: es stehen Dinge im Raum, die an einen billigen Hollywood-Streifen erinnern. Doch es geht ums Weiße Haus und den mächtigsten Mann der Welt. Umso wichtiger, dass die Verdächtigungen restlos aufgeklärt werden und – falls sie zutreffen – zu angemessenen Strafen führen.

Ob und inwieweit Trump selbst betroffen ist, werden Muellers weitere Ermittlungen zeigen. Seine Persönlichkeit und auch seine weitreichenden Kompetenzen sprechen dafür, dass er die Wahrheit aufdeckt oder ihr zumindest sehr nahe kommen wird. Je früher dies geschieht umso besser. Denn man mag von Trump Plänen etwa zur Steuer- und Gesundheitsreform, seiner Kampagne gegen Immigranten und die markigen Worte im Nordkoreakonflikt halten, was man will: Sein Stil ist in jedem Fall ein Angriff auf die politische Kultur des Landes.

Unter Trumps Regierung verrohen demokratischen Umgangsformen, Lügen und Halbwahrheiten sind an der Tagesordnung. Man denke nur an seinen hasserfüllten Feldzug gegen die freie Presse. Für jeden seiner Vorgänger wäre so etwas undenkbar gewesen. Vor diesem Hintergrund ist die bevorstehende Vernehmung Trumps durch Mueller schon ein Wert an sich. Denn sie zeigt dem Präsidenten: Auch er kann die Herrschaft des Rechts nicht einfach brechen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)