Sechs Jahre Haft für eine zur Tatzeit 15jährige ist gewiss ein hartes Urteil. Doch es wirkt angemessen. Die Schwere des Verbrechens erfordert eine konsequente Bestrafung. Die Messerattacke aus islamistischen Motiven kann durch nichts entschuldigt werden. Auch gilt es, die direkten und indirekten Anstifter dingfest zu machen. Wer Kinder als terroristische Waffe missbrauchen will, darf nicht unentdeckt bleiben – für die Sicherheitsbehörden eine schwierige Aufgabe. Doch sie muss gelöst werden.

Gewaltbereite Islamisten dürfen keine Chance zum Anwerben von Minderjährigen bekommen. Die entsprechende Szene muss unter ständiger Beobachtung bleiben. Dabei verdienen die Polizisten und Verfassungsschützer breite politische Unterstützung.

Ebenso wichtig ist, geläuterten Tätern und Mitläufern einen Ausstieg aus dem gewalttätigen Milieu zu ermöglichen. Dies gilt besonders für so junge Menschen, wie die jetzt vom Oberlandesgericht Celle verurteilte 16jährige Attentäterin. Sie hat noch ihr ganzes Leben vor sich. Entsprechend große pädagogische Mühe sollte sich die Justiz geben, um das Mädchen nach der Haft wieder in die normale Gesellschaft zu integrieren. Dazu gehört vor allem die Chance, sich schulisch und beruflich zu qualifizieren. Außerdem muss unter allen Umständen eine weitere Radikalisierung durch Mitgefangene verhindert werden.

Die zentrale Frage ist jedoch: Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass ein intelligentes Mädchen mitten in Deutschland aufwächst, erfolgreich zur Schule geht und dann als 15jährige politisch fanatisiert einen Polizisten zu töten versucht? Eltern, Geschwister, Lehrer, Freunde – wer hat alles weggeschaut, verdrängt, versagt, als das Kind auf die brutal-schiefe Bahn geriet? Die jeweilige Schuld mag juristisch folgenlos sein, moralisch wiegt sie umso schwerer.

Vor allem in Moscheen muss noch aufmerksamer miteinander umgegangen werden. Selbst geringste Anzeichen von Radikalisierung gerade bei Kindern und Jugendlichen dürfen dort nicht unbeachtet bleiben oder verharmlost werden. Im Zweifel heißt es, besser einmal zu viel als zu wenig einzuschreiten, inklusive frühzeitiger Information von Jugend – und Sicherheitsbehörden. Denn falsch verstandene Solidarität unter Gläubigen kann buchstäblich Leben zerstören – eine fatale Konsequenz, die auch im Islam durch nichts zu rechtfertigen ist.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)