Seite auswählen

Schon wieder wird aus Berlin ein antisemitischer Vorfall gemeldet. So wurden jetzt im Bezirk Prenzlauer Berg zwei junge Kippa tragende Juden von drei Unbekannten attackiert. Und erst kürzlich soll ein jüdisches Mädchen an einer Grundschule der Hauptstadt von muslimischen Mitschülern bedroht worden sein. Das ist skandalös und beschämend zugleich. Denn egal welchen politisch-kulturellen Hintergrund solche Angriffe haben: Jegliche Form von Antisemitismus muss unterbunden und gegebenenfalls hart bestraft werden. Vor allem bei Neonazis, Rechtspopulisten und bei manchen Zuwanderern aus islamischen Staaten scheint diese Botschaft noch nicht verstanden zu sein.

Natürlich muss vor pauschalen Verdächtigungen gewarnt werden. Antisemitismus war in der Bundesrepublik stets mehr oder minder offen vorhanden. Gleichwohl hat dieses Phänomen durch den millionenfachen Zuzug von Flüchtlingen eine neue Qualität bekommen. Denn diese Menschen bringen zwangsläufig ihre eigene politisch-gesellschaftliche Prägung mit. Und die ist im Nahen Osten vielfach durch die jahrzehntealte Feindschaft zu Israel bestimmt. Damit gelangen Befindlichkeiten und Vorurteile nach Deutschland, die zumindest in ihrer Anzahl und Radikalität neue Herausforderungen für die Integration und das Zusammenleben bedeuten.

An erster Stelle sind hier Schulen und Justiz zu nennen. Sie dürfen in einer derart sensiblen Angelegenheit keinerlei Nachsicht üben. Beim Thema Antisemitismus hört die Toleranz auf. Es ist Aufgabe der Lehrer, hier von Anfang an die rote Linie aufzuzeigen – gewiss eine schwierige Aufgabe bei Schülern, die in ihrem familiären Umfeld Gegenteiliges hören. Doch eine vertretbare Alternative gibt es nicht. Denn vom Beschimpfen und Mobbing jüdischer Kinder bis hin zu offener Gewalt kann unter Umständen nur ein kleiner Schritt sein.

Solche Taten sind in jedem Fall schlimm, egal welchen religiös-kulturellen Hintergrund die betreffenden Jungen und Mädchen haben. Doch angesichts der deutschen Vergangenheit ist Gewalt gegen Juden hierzulande doppelt schändlich. Das müssen auch Migranten akzeptieren. Wer hier eine neue Heimat finden will, hat ein paar grundlegende Regeln zwingend zu akzeptieren. Eine davon ist ein klares Nein zu jeglicher Form von Antisemitismus. Wer dies nicht möchte, muss sich schon fragen lassen, ob er in Deutschland am richtigen Platz sei.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)