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Nachdem Frankreichs Präsident Macron und – mit Abstrichen – Bundeskanzlerin Merkel am Wochenende die Vision einer europäischen Armee entworfen haben, sind nun die Fachminister am Zug. Niemand konnte bei deren Treffen in Brüssel konkrete Beschlüsse zur Verwirklichung erwarten. Dafür ist der Vorschlag auch viel zu komplex und politisch heikel. Dies sollte die Ressortchefs aber nicht daran hindern, künftig noch stärker als bisher auf Integration und gemeinsame Verteidigungsanstrengungen zu setzen. So ließen sich Milliarden an Euro einsparen und zugleich die militärischen Fähigkeiten der NATO verbessern. Es wird höchste Zeit, dass die Europäer an dieser Stelle ihre politischen Hausaufgaben erledigen.

Ob am Ende des Weges die von Macron und Merkel skizzierte gemeinsame europäische Armee steht, mag dabei zunächst offen bleiben. Denn in jedem Fall bleibt eine umfassendere Kooperation etwa bei Rüstungsprojekten sinnvoll. Und sie ist die Voraussetzung, dass aus der französisch-deutschen Vision überhaupt jemals Realität werden kann. Insofern können die Außen- und Verteidigungsminister nichts falsch machen, wenn sie über mehr gemeinsame Projekte und Strukturen beraten.

Auch die USA sollten einen solchen Kurs unterstützen, statt wie Präsident Trump dagegen zu polemisieren. Denn niemand in der EU will damit die Rolle der USA in der NATO schwächen. Schließlich haben die Europäer ein elementares Interesse daran, dass die Allianz möglichst geschlossen und stark bleibt. Im Übrigen ist es Trump persönlich gewesen, der immer wieder mal die NATO grundsätzlich in Frage stellte. Dass ausgerechnet er sich nun mit Sorgen um deren Zukunft meldet, wirkt da schon etwas befremdlich.

Zwar kritisieren die USA zu Recht den im Vergleich zu ihnen geringeren Anteil der Europäer an den Kosten der Allianz. Aber dann müssten sie eigentlich froh darüber sein, wenn zumindest die vorhandenen Mittel schon einmal effizienter ausgegeben werden. Nichts davon bei Trump. Ihm scheint es daher wohl auch weniger um die Sache – sprich Abschreckungsfähigkeit der NATO – zu gehen, als um einen möglichen amerikanischen Einflussverlust innerhalb der Allianz. Die Europäer sollten sich davon nichts beeindrucken lassen. Sie müssen militärisch auf eigenen Füßen stehen können, damit sie niemals von außen erpress- oder beherrschbar werden.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)