So positiv die Einigung von Union und SPD auf eine große Koalition grundsätzlich auch sein mag: Die Umstände und die geplante Verteilung der einzelnen Ministerien lassen Ungutes befürchten. Offenkundig geht es vor allen darum, die sozialdemokratische Basis mit reichlich Regierungsposten und vielen Ausgaben zufrieden zu stellten. Doch ein solches Ja beim Mitgliederentscheid wäre für den Steuerzahler sehr teuer erkauft.

Auch die Wähler und Mitglieder der CDU dürften sich fragen, wo die christdemokratischen Akzente in dieser Koalition sein sollen. Die größte Regierungspartei hat sich um der Einigung willen bedenklich klein gemacht.

Das könnte sich bei kommenden Wahlen bitter rächen. Denn die geplanten CDU-Ministerien sind zwar so wichtig wie andere auch. Aber Schlüsselressorts im Sinne von politischer Profilierung sind sie nicht. Auswärtiges, Finanzen, Innen, Arbeit und Soziales bieten da viel mehr Möglichkeiten. Doch die haben Angela Merkel und ihr Verhandlungsteam hergegeben – ein befremdliches Verhalten. Stattdessen kommt es nun für die CDU – frei nach einem alten Wahlplakat – vor allem auf die Kanzlerin an. Das Problem ist nur: Sie geht genauso wie ihre Partei deutlich geschwächt aus diesen Sondierungen heraus.

Gewiss, Merkel ist beliebt, und sie hat in schwierigen Zeiten professionell regiert. Entsprechend groß ist auch ihr internationales Ansehen. Doch im Grunde ist Merkel bereits eine Kanzlerin auf Abruf. Sie hat als Spitzenkandidatin keine Zukunft. Die CDU schnitt unter ihrer Führung bei der jüngsten Bundestagswahl schlecht ab. Es reicht zwar mit Mühe, um als stärkste Kraft weiterhin das Kanzleramt zu beanspruchen. Doch noch so eine Niederlage, und die CDU müsste das Etikett Volkspartei wohl für lange Zeit ablegen.

Für die Christdemokraten ist es deshalb entscheidend, auch unabhängig von der Person Merkel wählerwirksame Kompetenz und Konturen zu entwickeln. Wie dies unter den jetzt vorgesehenen Rahmenbedingungen des Kabinetts möglich sein soll, ist – freundlich formuliert – nur schwer vorstellbar.

Alles schaut momentan, ob die SPD-Mitglieder den vorgesehenen Koalitionsvertrag wohl billigen werden. Doch es sollte niemanden verwundern, wenn jetzt auch an der CDU-Basis die kritischen Stimmen zu Merkel und ihrer Koalitionsbildung stark zunehmen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)