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Deutschland braucht Fachkräfte aus aller Welt, um auch künftig seinen Wohlstand und den Sozialstaat zu sichern. Der Bundestag hat dafür jetzt mit der ersten Lesung des entsprechenden Gesetzentwurfs die Weichen richtig gestellt. So positiv dies grundsätzlich ist: Private und öffentliche Arbeitgeber werden damit nicht aus ihrer Verantwortung entlassen, das bereits vorhandene Potenzial an Beschäftigen besser auszuschöpfen. Dies reicht von flexibleren Einstellungsvoraussetzungen – Stichwort formaler Bildungsabschluss – bis hin zu mehr Gehalt für bestimmte Tätigkeiten etwa in den Bereichen Soziales und Gesundheit.

Klar ist: Die künftigen Fachkräfte sollen personelle Engpässe beheben, aber nicht zu Lohndumping oder mehr Bequemlichkeit für Firmen bei der Suche nach passenden heimischen Mitarbeitern führen. Im Gegenteil, die bisherigen Anstrengungen von Unternehmen, fachlich gute und motivierte Bewerber zu gewinnen, müssen noch verstärkt werden. Denn gerade in Mangelberufen stehen die besonders qualifizierten Kandidaten auf dem internationalen Arbeitsmarkt nicht unbedingt Schlange, um nach Deutschland zu gehen. Da locken auch klassische Einwanderungsländer wie Australien oder Kanada, von manchen boomenden Staaten in Asien ganz zu schweigen.

Bei alledem dürfen die außerberuflichen Aspekte nicht zu kurz kommen. Wer nach Deutschland einreisen will, um zu arbeiten, muss sich auch gesellschaftlich einfügen können. Sprachkenntnisse und Akzeptanz der grundgesetzlichen Werte sind hierfür unabdingbar. Denn Fachkompetenz hin oder her – wer als Ausländer Gleichberechtigung und politische Toleranz kategorisch ablehnt, darf sich in Deutschland auch beruflich nicht willkommen fühlen.

Je schneller und umfassender sich Deutschland in einen Einwanderungsstaat wandelt, desto wichtiger wird die soziale Integration. Denn kann niemand voraussagen, ob Neuankömmlinge auf Dauer bleiben werden. Im jedem Fall sollte mit dieser Möglichkeit gerechnet werden.

Damit kommt der frühzeitigen Integration nicht nur menschlich sondern auch politisch eine solch große Bedeutung bei. Denn misslingt dieser Eingliederungsprozess, entstehen zwangsläufig weitere unerwünschte Parallelgesellschaften. Dies wäre Wasser auf die Mühlen von Rechtsradikalen – ein fatales Eigentor für gut meinende Firmen und Politiker.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)