Die Londoner Somaliakonferenz soll eine erneute Hungerkatastrophe am Horn von Afrika abwenden. Zuletzt waren dort 2011 über 250.000 Menschen einer großen Dürre zum Opfer gefallen. So etwas darf sich nicht wiederholen. Das wird auf längere Sicht Milliarden Euro an internationalen Hilfsgeldern kosten. Sie wären nicht nur aus humanitären Gründen gut angelegt. Auch außen- und sicherheitspolitische Aspekte gebieten einen Stopp des Elends. Denn solange Somalia weiter verelendet und zerfällt, machen sich von dort Flüchtlinge auf den Weg nach Europa, finden Terroristen aller Couleur dort fast nach Belieben Unterschlupf.

Kurzfristig möchte die UNO in London über 800 Millionen Euro Hilfsgelder für Somalia einsammeln. Diese Summe könnte die aktuelle Notlage lindern – sofern es am Ende nicht bei bloßen Zusagen bleibt, sondern das betreffende Geld auch tatsächlich erst bei der UNO und dann bei den Hungernden ankommt. Leider zeigt die Erfahrung, dass es mit der Zahlungsmoral bei Hilfsgeldern nicht immer zum Besten bestellt ist. Ein solches Verhalten einzelner Staaten ist schändlich. Die Hungernden brauchen kein mit Zahlen bedrucktes Papier voller Versprechungen, sondern Unterkünfte, Lebensmittel. Wasser und Medikamente. Dies ist buchstäblich eine Frage von Leben und Tod.

Langfristig ebenso wichtig ist, Somalia als Staat wieder herzustellen und mit einer entsprechenden Infrastruktur auszustatten. Nach Jahren des schlimmsten Terrors und der Anarchie gibt es dort mittlerweile wieder ein Parlament und einen gewählten Präsidenten. Das ist gewiss noch kein Durchbruch in Richtung Sicherheit und Freiheit; zu viele Gebiete bleiben davon faktisch unberührt. Aber immerhin wächst so die Hoffnung, dass eine Wende möglich sein könnte. Die internationale Gemeinschaft sollte hierzu ihre Hand reichen – in Form finanzieller, ausbildungstechnischer, wirtschaftlicher und auch polizeilicher Unterstützung.

Keine Frage, Somalia steht wieder einmal am Scheideweg. Humanitäre Katastrophe und Gewalt auf der einen Seite, Hilfe für die Hungernden und beginnender Wiederaufbau von Wirtschaft und Infrastruktur auf der anderen Seite. Es wird höchste Zeit, die Weichen unumkehrbar in die richtige Richtung zu stellen – eine große Herausforderung für die Londoner Geberstaaten aber vor allem auch für die Somalier selbst.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)