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Noch ist unklar, weshalb Nordkorea eine stillgelegte Raketenanlage wieder aktiviert. Es könnte um künftige zivile, aber auch militärische Starts gehen. Bauliche Vorbereitungen für eine Nutzungsänderung oder gar einen Abriss sind ebenfalls denkbar. Klar ist nur, dass der Westen darauf nicht sofort mit zusätzlichen Sanktionen reagieren sollte. Denn diese würden nur zu einer weiteren politischen Verhärtung des nordkoreanischen Regimes führen.

Nach dem gescheiterten Gipfeltreffen von Kim Yong Un und Donald Trump gilt es stattdessen, kleine Fortschritte anzustreben und nicht wie Trump mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Dazu gehört auch, die von der UNO befürchtete Hungerkatastrophe in Nordkorea abwenden zu helfen. Dies ist ein Gebot der Humanität gegenüber der notleidenden Bevölkerung. Und solche Unterstützung würde zugleich dem Regime bestätigen, dass Kooperation mit dem Westen – egal in welcher Form – allemal besser als Konfrontation ist. Das könnte spätere Verhandlungen über andere Themen atmosphärisch erleichtern.

Handfeste Auswirkungen etwa in Sachen atomarer Abrüstung sind allerdings von Hilfsaktionen nicht zu erwarten. Das Gleiche würde auch für weitere Sanktionen gelten. Das Regime von Kim Yong Un hat immer wieder bewiesen, dass es sich nicht von äußerem Druck beeinflussen lässt. Denn die Absicherung der eigenen Macht hat oberste Priorität. Dazu leistet das Atomprogramm einen wichtigen, wenn nicht entscheidenden Beitrag.

Wer die nukleare Bedrohung durch Nordkorea beseitigen will, muss deshalb andere Wege gehen, sprich: Verhandeln und die jeweiligen Interessen friedlich in Einklang bringen. Das mag langwierig und wenig spektakulär sein. Kein Wunder, dass Trump lieber den schnellen Weg und die große Show suchte. Doch er ist damit bekanntlich keinen Schritt weitergekommen.

Dabei ist Kims Interesse an einem Ausgleich offenkundig. Er möchte seine Macht weiter absichern und deshalb die wirtschaftlichen Problemen Nordkoreas in den Griff bekommen. Wie katastrophal die Verhältnisse teilweise sind, macht der UNO-Bericht über die drohende Hungersnot überdeutlich. Insofern wird es höchste Zeit, jetzt endlich eine humanitär und sicherheitspolitisch gleichermaßen befriedigende und dauerhafte Lösung anzustreben.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)