Gegen so schreckliche Anschläge wie in Münster oder jetzt in Toronto gibt es keinen wirklichen Schutz. Und dass die jeweiligen Täter nicht politisch motiviert waren, macht es für die Angehörigen der Opfer auch nicht erträglicher. Trotzdem dürfen solche Verbrechen nicht bloß als unvermeidliche Schicksalsschläge hingenommen werden. Stattdessen sollten Politik und Justiz versuchen, die Hintergründe möglichst genau aufzuklären und zu prüfen, welche Faktoren derartige Untaten tendenziell befördern. Und wie potenzielle Nachahmer eventuell abschreckt werden könnten.

Insofern ist es positiv, dass der Todesfahrer von Toronto lebend gefasst wurde. Der Prozess gegen ihn dürfte zwar für die Familien und Freunde der Opfer schmerzhaft werden, aber zumindest könnte er die Wahrheit über die Motive des Täters zutage fördern. Dann ließe sich wenigstens nachvollziehen, was ihn zu solch einem verheerenden Blutbad angetrieben hat – ob Wahnvorstellungen, Verzweiflung über persönliche Misserfolge, pervertierte Geltungssucht oder was auch immer.

Und vor allem ließe sich erkennen, wann vielleicht im privaten oder beruflichen Umfeld Frühwarnzeichen übersehen wurden, die auf ein mögliches Verbrechen dieses Kalibers hätte hinweisen können. Das ist von zentraler Bedeutung. Denn durch mehr menschliche Aufmerksamkeit auch gegenüber gesellschaftlichen Außenseitern könnte noch am ehesten die Chance bestehen, ähnliche Amokfahrten künftig zu verhindern.

Abgesehen davon bleibt auch hierzulande für jeden Bürger stets ein gewisses Restrisiko. Denn wer unbedingt ein Blutbad in der Bevölkerung anrichten will, wird dafür immer Mittel und Wege finden – siehe Münster. Auch mehr Betonpoller und zusätzliche Sicherheitskontrollen bei großen Menschenansammlungen können daran wenig ändern. Denn es wird immer viel zu viele Lücken geben. Schließlich will niemand, dass Deutschland sich verbarrikadiert und in einen Hochsicherheitsbereich verwandelt.

Unabhängig davon stehen jetzt erst einmal Trauer und Anteilnahme im Vordergrund. Politische Überlegungen verblassen angesichts des menschlichen Leids, das in Toronto unter völlig Unschuldigen angerichtet wurde. Und da jeder Bürger – egal ob in Kanada oder auch in Europa weiß oder ahnt, dass es auch ihn unvermittelt treffen könnte, wird das schrecklichen Geschehen von Toronto zusätzlich bedrückend.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)