Was vor einem Jahr unvorstellbar schien, wird an diesem Freitag harte Wirklichkeit: Der neue US-Präsident heißt Donald Trump. Das Wort historisch ist dafür gewiss nicht zu hoch gegriffen. Denn wohl nie zuvor hat ein Wechsel im Weißen Haus weltweit derart große Sorgen ausgelöst als dieses Mal. Ganz anders 2009, als Barack Obama erstmals in sein Amt einführt wurde.

Die Hoffnungen waren seinerzeit riesig, im selben Jahr wurde Obama sogar der Friedensnobelpreis verliehen. Doch am Ende sieht seine Bilanz weniger rosig aus. Es wäre nur zu wünschen, dass es bei Trump genau umgekehrt verläuft: düsterer Auftakt, aber dann Wandel zum Positiven – auch wenn es dafür bislang leider noch nicht die geringsten Anzeichen gibt.

In jedem Fall dürfte es Trump kaum gelingen, das Weiße Haus mit derart viel Glanz, Wärme und Würde zu füllen, wie es Obama und seine Familie getan haben. Der erste schwarze Präsident der USA war und ist ein begnadeter Redner, er kann Medien und Zuhörer förmlich in seinen Bann ziehen. Und Ehefrau Michelle gelang der schwierige Spagat zwischen familiärem Privatleben und öffentlicher Rolle als First Lady mit Geschick, Stil und Glamour. Beide Obamas haben damit Maßstäbe gesetzt wie vor ihnen nur John F. und Jackie Kennedy.

Umso bitterer, dass Obama ein in sich tief zerrissenes Land hinterlässt. Dadurch wurde es überhaupt erst möglich, dass ein solch radikaler und politisch unerfahrener Quereinsteiger wie Trump für Millionen Amerikaner zum neuen Hoffnungsträger aufsteigen konnte.

Die Wahl Trumps ist ein Armutszeugnis für Obama. Dieser hatte nicht rechtzeitig auf die wachsende Frustration in der Mittelschicht sowie die heftiger werdenden Ressentiments gegen den Washingtoner „Apparat“ reagiert. Und er ließ es zu, dass eine so umstrittene und unpopuläre Exministerin wie Hillary Clinton am Ende als Kandidatin der Demokraten ins Rennen ziehen konnte. Dies war ein schwerer Fehler.

Obama hätte seinen damals zögernden Vize Joe Biden zur parteiinternen Kandidatur gegen Clinton drängen sollen. Dann hätte er ihm möglicherweise jetzt die Schlüssel zum Weißen Haus übergeben statt als letzte Amtshandlung „nur“ den höchsten zivilen Orden der USA verleihen können – so medienwirksam und menschlich bewegend dieser Moment des Abschieds für beide auch war.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)