Es ist sicher richtig, dass Ursula von der Leyen jetzt die afghanische Regierung zu Reformen und einer Verständigung mit den Taliban aufgerufen hat. Denn eine rein militärische Lösung zu Gunsten der westlichen Allianz scheint ausgeschlossen. Allerdings spricht wenig dafür, dass diesem Appell schon bald entsprechende Ergebnisse folgen werden, sprich: Ein kompletter Abzug der Bundeswehr vom Hindukusch bleibt nach wie vor in weiter Ferne.

Das ist höchst unbefriedigend, doch die Alternative wäre nach derzeitigem Stand eine uneingeschränkte Machtübernahme durch radikale Islamisten und damit eine neue Basis für den internationalen Terrorismus. Gleichzeitig würden alle bisher erreichten Fortschritte für die afghanische Zivilbevölkerung zunichte gemacht. Denn trotz aller Kritik am bisherigen Verlauf des staatlichen Neuanfangs in Kabul: Insbesondere für Frauen und die junge Generation hat sich sozial, gesellschaftlich und bildungsmäßig viel zum Positiven verändert.

Aber ebenso klar ist: Die internationale Hilfe am Hindukusch kann in der jetzigen Form nicht ewig so fortgesetzt werden. Dies würde die Ressourcen, aber auch die politische Bereitschaft in Europa und speziell in Deutschland überstrapazieren. Denn zu Recht fragen sich hier immer mehr Bürger, wie lange sie noch eigene Soldaten ans Ende der Welt schicken sollen, ohne dass dort ein entscheidender Durchbruch konkret vorstellbar ist.

Der übliche Hinweis von Militärs, man brauche halt noch mehr Zeit und Geld für die Truppen, mag noch so sehr stimmen: Irgendwann ist die Geduld eines jeden Politikers und Bürgers mal zu Ende. Dann könnten unberechenbare und frustrierte Reaktionen drohen, wie sie momentan die USA unter der Präsidentschaft Donald Trumps zuhauf erleben. Für die Sicherheit und Menschenrechtslage in Afghanistan wäre dies der GAU.

Die Suche nach einer politischen Lösung des Konflikts muss deshalb oberste Priorität behalten, auch wenn solche Bemühungen noch so langwierig und vergebens erscheinen mögen. Es ist das große Verdienst der Bundeswehr, dies zusammen mit ihren Alliierten durch ihren aktuellen Einsatz für Sicherheit und Wiederaufbau in Afghanistan überhaupt erst zu ermöglichen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)