Die internationalen Reaktionen auf die Jerusalem-Entscheidung von Donald Trump sind wie erwartet verheerend. Dass sich die USA damit als Vermittler zwischen Israelis und Palästinensern disqualifizieren, ist schon schlimm genug. Fast noch negativer erscheinen die Arroganz und Gleichgültigkeit, mit der sich der amerikanische Präsident über die Warnungen von Verbündeten, Anrainern und sonstigen Staaten weltweit hinwegsetzt. Nahostpolitik im Westernstil – hier zeigt sich Trump pur, wie ihn die Alliierten fürchten und seine Anhänger lieben.

Die Europäer können daraus für sich nur eine doppelte Konsequenz ziehen: den Schaden zu begrenzen versuchen und selbst unabhängiger vom Weißen Haus werden. Denn die USA nehmen unter ihrem jetzigen Präsidenten keine Rücksicht mehr auf andere. Trump interessiert nur die Meinung seiner Landsleute, Sympathisanten und Förderer: Außenpolitik im Dienste machtorientierter Innenpolitik.

So auch jetzt bei seiner Entscheidung, die amerikanische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Islamfeindliche US-Bürger und Organisationen werden sich bestätigt fühlen, weil Trump auf diese Weise ein Versprechen aus dem Wahlkampf erfüllt. Israel und seine Lobby in Washington können frohlocken, während die Palästinenser einen neuen Gegner für sich ausmachen.

Die ohnehin geringen Chancen auf eine friedliche Lösung des Konflikts sinken damit weiter. Denn der zusätzliche Druck, den Trump durch sein Jerusalem-Votum auf die Menschen in den besetzten Gebieten ausübt, dürfte die Haltung beider Seiten eher verhärten. Die einen können sich bestärkt fühlen und noch weniger als zuvor zum Einlenken gedrängt, die anderen dagegen sind geschwächt und allein gelassen – der ideale Nährboden für Terror und neue Gewalt unter dem Deckmantel vermeintlicher Gerechtigkeit.

Vor diesem Hintergrund verheißen die jetzt von verschiedenen Palästinensergruppen verkündeten drei „Tage des Zorns“ nichts Gutes. Zu diesem Bild passen auch die jüngsten Warnungen des Auswärtigen Amtes vor Ausschreitungen in Jerusalem, dem Westjordanland und dem Gazastreifen.

Gewiss, Trump ist nicht direkt verantwortlich für mögliche neue Gewalt. Das sind nur die Täter selbst. Aber Friedenspolitik sieht anders aus.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)