Das Unbehagen am Ablauf des Tags der Einheit in Dresden dürfte noch einige Zeit anhalten. Pöbeleien, Beschimpfungen von Politikern und eine – vorsichtig ausgedrückt – unsensible Einsatzleitung der Polizei haben den Freistaat national und international in Misskredit gebracht. Schade. Denn die eigentlichen Veranstaltungen verliefen angemessen und würdevoll, die Redebeiträge waren teils hochkarätig.

Umso bedauerlicher, dass die Chance ungenutzt blieb, Dresden vor aller Welt endlich vom braun-dumpfen Pegida-Makel zu befreien. Eine radikale Minderheit konnte wieder einmal der großen Mehrheit Schaden zufügen. Und dass ein Polizeiführer den Chaoten hierbei sogar noch öffentlich einen „erfolgreichen Tag“ gewünscht hatte, bildete den traurigen Höhepunkt.

Ob diese Entgleisung der politischen Einstellung des Beamten entspricht und als Provokation gemeint war, ob Dämlichkeit oder Überforderung im Spiel waren – all dies muss noch geklärt werden. Ob dazu das angekündigte „Gespräch“ mit dem Dresdner Polizeipräsidenten ausreicht, wird sich zeigen. Die Öffentlichkeit sollte jedenfalls zeitnah das Ergebnis der Unterredung erfahren. Denn die Bürger müssen sich auf die Neutralität und Urteilskraft von Polizisten verlassen können. Dies gilt insbesondere bei so sensiblen und schwierigen Einsätzen wie jetzt bei der Einheitsfeier in Dresden. Oder hat die örtliche Polizeiführung etwa im Vorfeld Bedeutung und Brisanz der Proteste intern herabgespielt? Dies wäre fatal und politisch grob fahrlässig gewesen.

Bei alledem darf jedoch zweierlei nicht vergessen werden. Erstens: Polizisten aus dem Bundesgebiet sind wieder einmal ein ganzes Wochenende lang bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit im Einsatz gewesen. Dieser harte Dienst verdient Respekt und Anerkennung – ungeachtet einzelner Fehler. Und zweitens sind in erster Linie nicht Beamte für den Missklang in Dresden verantwortlich sondern diejenigen Bürger, die jeglichen politischen Anstand und Respekt vermissen ließen.

Gewiss, es handelt sich nur um eine Minderheit. Aber es ist eine sehr aggressive und ausfällig werdende Gruppe, die das demokratische Recht der Meinungsfreiheit bis an die Grenze zum Strafrecht treibt. Wie lange wollen Politik und Justiz da eigentlich noch tatenlos zuschauen? Wer zu Recht rechtliche Schritte gegen Hasskommentare im Internet fordert, sollte auch gegen ähnlichen Äußerungen auf der Straße vorgehen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)