Können die Bürger einen größeren Beitrag im Kampf gegen Terror und Gewalt leisten? Ja, wenn man Thomas de Maizière glaubt. Nein, wenn man auf die jüngsten Terrorakte im französischen Magnanville und im amerikanischen Orlando schaut. Denn die Mahnung des Bundesinnenministers zu mehr Achtsamkeit geht an den eigentlichen Problemen vorbei – von zu geringer Integrationsarbeit für Randgruppen, zu schlechter Vernetzung der nationalen und internationalen Sicherheitsbehörden bis hin zu mehr Personal für die Polizei.

De Maizière sagt, wenn sich Familienangehörige, Nachbarn oder Freunde radikalisierten, seien Hinweise an Behörden unverzichtbar. Nur, wann beginnt Radikalisierung? Wo liegt die Grenze zur geschützten Religions- und Meinungsfreiheit? Sollen die Bürger etwa für Behörden Gesinnungsschnüffelei betreiben? Dies dürfte der Minister wohl kaum gemeint haben.

Etwas anderes ist es, die Polizei bei konkretem Verdacht vor Straftaten zu warnen. Diese Pflicht gilt selbstverständlich jetzt schon für jeden Bürger. Doch die Ehefrau des Attentäters von Orlando soll eben dies nicht getan haben. Ihr droht deswegen nach Medienberichten ein Strafverfahren. Und der Terrorist von Magnanville war als Islamist und verurteilter Straftäter seit langem polizeibekannt. Auch hier hätte also mehr Achtsamkeit der Bürger und anschließende Information der Behörden nichts verhindern können.

In anderer Hinsicht ist dagegen erhöhte Aufmerksamkeit im Alltag sinnvoll, um den Terror einzudämmen. So sollte zum einen jeder Bürger seinen Blick schärfen für verdächtige Personen oder Gegenstände und im Zweifel die Sicherheitskräfte alarmieren. Denn Terroristen können überall zuschlagen – von der Metropole über die Kleinstadt bis zum Ferienparadies. Dies haben die vergangenen Anschläge leider blutig bestätigt.

Und zum zweiten könnte sich jeder Bürger bemühen, künftig noch sensibler und kritischer als bisher auf radikale Äußerungen in seinem Umfeld zu reagieren. Im Zweifel sollten mit Zivilcourage und klaren Worten Grenzen gesetzt werden, insbesondere gegenüber jungen Menschen. Denn diese sind bei sozialer Frustration und politischer Orientierungslosigkeit besonders leicht anfällig für Heilsversprechen jeglicher Art – bis hin zum terroristischen „Heiligen Krieg“ des sogenannten Islamischen Staats.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)