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Und wieder einmal ist es der französische Präsident Macron, der das richtige außenpolitische Signal setzt. Seine Einladung an EU-Kommissionspräsident Juncker und Kanzlerin Merkel zum gemeinsamen Treffen mit Chinas Staatschef Xi in Paris sorgt dafür, dass Europa beim Großprojekt Neue Seidenstraße nicht vollends an den Rand gedrängt wird.

Dies ist für Verhandlungen auf Augenhöhe unerlässlich. Denn Peking versucht derzeit sehr erfolgreich, mit einzelnen EU-Staaten wie Italien oder Griechenland ins Geschäft zu kommen, dabei aber die Europäische Union als Ganzes möglichst außen vor zu halten. So kann China mit wesentlich kleineren Partnern verhandeln und die eigenen Belange am leichtesten durchsetzen.

Die Europäer müssen dem endlich mit einer eigenen Strategie begegnen. Denn es reicht nicht, auf Wettbewerbsverzerrungen und ungleiche Handelsbedingungen nur hinzuweisen. Entscheidend ist, in der Praxis eine Alternative zu präsentieren. Davon ist die EU noch weit entfernt.

Auch Berlin hat bislang zu wenig für eine solche Kursänderung getan. Merkel fand zwar warme Worte für Macrons Ideen, aber konkrete Politik ist daraus nicht geworden. Außenminister Maas wirkt ebenfalls an dieser Stelle politisch blass und orientierungslos. Er warnt zwar gerne vor Pekinger Dominanzgebaren, doch sichtbares Handeln ist nicht erkennbar.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Ohne eine Stärkung der EU-Institutionen wird Europa gegenüber China und auch den USA stets den Kürzeren ziehen. Auch Deutschland allein ist viel zu unbedeutend, um effektiven Einfluss auf die künftigen internationalen Handelsbedingungen zu nehmen – von noch wichtigeren Themen wie Sicherheit und Frieden ganz abgesehen.

Darüber darf das Hohelied Pekings auf den Multilateralismus nicht hinwegtäuschen. Gemeinsames Vorgehen ist aus Chinas Sicht nur so lange wünschenswert, wie es den eigenen nationalen Interessen dient. Und die entsprechen keineswegs immer den westlichen Standards und Spielregeln.

So positiv Geschäfte und gute Beziehungen zu Peking grundsätzlich auch sind: Sie müssen für Europa fair und aus einer Position der Verhandlungsstärke – sprich Einigkeit über Ziele und Regeln – heraus erfolgen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)