Das Thema Flüchtlinge hat in Deutschland wegen gesunkener Zahlen etwas an Brisanz verloren. Gleichwohl besteht politischer Handlungsbedarf. Wer zu Unrecht eingereist ist, muss deutlich schneller als bisher in seine Heimat abgeschoben werden. Gleichzeitig gilt es, alle anderen Flüchtlinge möglichst effektiv in Gesellschaft und Arbeitsmarkt zu integrieren.

Hier hat sich die versuchsweise Abschaffung der Vorrangregelung bewährt. Es muss nicht erst lange und bürokratisch nach Deutschen, EU-Bürgern oder Ausländern mit uneingeschränktem Arbeitsmarktzugang gesucht werden, bevor der freie Job an einen Flüchtling vergeben werden darf. Laut Sozialministerin Nahles konnten auf diese Weise bislang mehr als 7000 Flüchtlinge eine Arbeit aufnehmen, die sonst zur Untätigkeit verdammt gewesen wären. Eine solche Reform nützt allen Beteiligten – von den Firmen bis hin zu den Bürgern und  Steuerzahlern.

Vor allen die gestiegene Zahl an Auszubildenden unter den Flüchtlingen ist positiv. Viele Betriebe, insbesondere im Handwerk, suchen derzeit händeringend nach personeller Verstärkung. Sie können freie Lehrstellen häufig nicht mit motivierten und passend qualifizierten Bewerbern besetzen. Der Arbeitsmarkt ist an dieser Stelle wie leer gefegt. Geburtenschwache Jahrgänge und die gute Konjunktur zeigen die entsprechende Wirkung.

In dieser Situation kommen junge, leistungswillige Flüchtlinge wie gerufen – sofern sie über die bildungsmäßigen und vor allem sprachlichen Voraussetzungen verfügen. Und daran hapert es leider noch oft. Doch ohne gute Deutschkenntnisse wird der von allen Seiten gewünschte Erfolg im Betrieb ausbleiben.

Gewiss, Flüchtlinge können und dürfen nicht die Arbeitsmarktprobleme in Deutschland lösen. Aber wer voraussichtlich auf Dauer bleiben wird, muss rasch seine berufliche Chance bekommen. Eine bürokratische Vorrangregelung insbesondere für Deutsche und EU-Ausländer steht dem entgegen. Sie verzögert die Besetzung freier Stellen. Die Konsequenz: Aufträge können langfristig nicht mehr angenommen oder für den Kunden zeitgerecht abgearbeitet werden. Dies schadet auch den bislang schon in dem jeweiligen Betrieb beschäftigten Arbeitnehmern. Denn ihr Erfolg und ihre Jobsicherheit hängen ebenfalls am Erfolg der Firma.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)