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Die jetzt geplante Aufstockung des BAföG ist überfällig. Die Lebenshaltungs- und vor allem die Wohnkosten für Studierende haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Hier muss der Staat handeln, damit die jungen Menschen ihre Ausbildung gut und zeitgerecht abschließen können. Denn jeder Nebenjob, zu dem Studierende aus Geldnot gezwungen sind, verringert den Spielraum für intensives Lernen. Spätere und schlechtere Prüfungen könnten die Folge sein. Insofern sind höhere BAföG-Zahlungen gut angelegte Investitionen in die Zukunft.

Studentenförderung sollte nicht als soziale Wohltat verstanden werden. Denn hier geht es um Schaffung von Freiräumen, damit sich junge Talente in vielfältigsten Studiengängen für qualifizierte Aufgaben in Wirtschaft und Gesellschaft vorbereiten können. Je besser dies den Einzelnen gelingt, desto größer später auch der Gewinn für die Allgemeinheit.

Und für die Sicherung von Wohlstand und Arbeitsplätzen. Denn Deutschland muss kräftig in Wissenschaft und Forschung investieren, um international Anschluss zu halten. Dabei darf es nicht nur um heutige Spitzentechnologien gehen. Mindestens ebenso wichtig ist es, eine möglichst breite Basis und damit Auswahl an künftigen Leistungsträgern zu schaffen. Auch deshalb sollte niemand wegen eines zu niedrigen Verdienstes der Eltern vom Studium abgehalten werden – von Gründen der sozialen Gerechtigkeit ganz abgesehen. Die jetzt vorgesehene Neuregelung des Einkommensfreibetrags ist hier ein Schritt in die richtige Richtung.

Gleichwohl bleibt die Frage nach größerer Zielgenauigkeit. Weshalb werden etwa BAföG-Berechtigte in sehr teuren Großstädten finanziell genauso behandelt wie Studierende an viel günstigeren Uni-Standorten? Regionale Zu- oder Abschläge dürften hier durchaus sinnvoll sein. Auch der mögliche Platz in einem preiswerten Studentenwohnheim könnte bei der Höhe der individuellen Förderung berücksichtigt werden.

Die Wahl eines Studienfachs sollte allein nach Interesse und persönlicher Eignung erfolgen. Die Kosten am betreffenden Uni-Standort dürfen dabei nicht die entscheidende Rolle spielen. Gleiche Bildungschancen sind ein Gebot jeder liberalen Demokratie. In Deutschland ist BAföG ein wichtiges Instrument, um hier voranzukommen. Es muss weiter ausgebaut und verfeinert werden.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)