Keine Frage, Deutschland ist ein wohlhabendes Land. Trotzdem lebt jedes siebte Kind zwischen Flensburg und Füssen von Hartz IV. Muss diese erschreckende Zahl als unvermeidliche Nebenwirkung von Arbeitslosigkeit der Eltern schulterzuckend hingenommen werden? Nein. Die Politik sollte hier energisch gegensteuern. Denn Kinder mit schwierigen Startbedingungen haben es später im Leben ungleich schwerer als andere Gleichaltrige – ein Teufelskreis.

Das Stichwort lautet Chancengleichheit. Diese ist ein zentraler Baustein für jede freiheitliche Wirtschaft- und Gesellschaftsordnung. Ein Kind muss demnach unabhängig von Einkommen oder Status der Eltern die Möglichkeit bekommen, seine Fähigkeiten bestmöglich entfalten zu können. Erziehung ist zwar in erster Linie eine Aufgabe für Mutter, Vater, Familie. Aber der Staat sollte dabei nach Kräften helfen. Dies betrifft insbesondere Bildungs- und Berufsperspektiven. Je früher und zielgerichteter die öffentliche Hand die entsprechenden Voraussetzungen schafft, desto besser. Die Eltern werden entlastet, die Kinder gefördert und die Steuerzahler vermeiden unnötige soziale und finanzielle Folgekosten. Kurzum, mehr staatliche Mittel für Kinder sind grundsätzlich eine gute Investition in die Zukunft einer Gesellschaft.

Vor diesem Hintergrund mag aktuell eine Erhöhung von Hartz IV für Kinder sinnvoll sein. Allerdings ist dies kein Patentrezept. Denn entscheidend bleibt letztlich, was konkret dem einzelnen Jungen oder Mädchen zu Gute kommt. Da können ein Platz in einer guten Kita oder motivierende Lehrkräfte in einer adäquat ausgestatteten Schule mindestens ebenso wichtig sein wie etwas mehr Geld auf dem Familienkonto.

Natürlich muss sich der Staat auch um andere sozial Schwache kümmern. Aber Kinder verdienen eine besondere Aufmerksamkeit. Denn sie können sich noch nicht politisch artikulieren. Zugleich entscheidet ihre Zukunft über die aller anderen mit – bis hin zu allgemeiner Sicherheit und Renten. Und Fehler oder falsch verstandene öffentliche Sparsamkeit können später nicht einfach durch eine Geldspritze schnell wieder ausgeglichen werden.

Gewiss gibt es viele erfreuliche Beispiele von Kindern, deren Talente sich trotz familiärer Armut im Laufe der Zeit optimal entfalten. Aber es sollten und können noch deutlich mehr dieser Erfolgsgeschichten werden – eine persönliche und politische Herausforderung für uns alle.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)