Ein böses Omen? Kaum ist Donald Trump ein gutes halbes Jahr US-Präsident und hat als eine seiner spektakulärsten Entscheidungen das Pariser Klimaschutzabkommen gekündigt, da tobt der stärkste jemals über dem Atlantik gemessene Hurrikan über Florida. Dramatischer könnte die Natur kaum auf alle rhetorischen Versuche reagieren, die Gefahren der zunehmenden Erderwärmung zu verharmlosen.

Auch viele Anhänger Trumps dürften sich angesichts der schrecklichen Bilder aus ihrer Heimat fragen, ob man tatsächlich einfach so weitermachen könne wie bisher. Denn Leben und Eigentum von immer mehr US-Bürgern sind durch die Folgen des Klimawandels unmittelbar bedroht. Und so etwas zählt im politischen Amerika.

Zwar sind Hurrikane in der Karibik und an den Südküsten der USA nicht ungewöhnlich. Sie hat es auch schon vor dem jetzt diskutierten Klimawandel gegeben. Aber ebenso klar ist, dass die wärmere Atmosphäre sowie steigende Wassertemperaturen die Entstehung der verheerenden Wirbelstürme begünstigen. Damit dürften die Häufigkeit und Intensität von Hurrikanen zunehmen. Irma ist insofern nicht nur eine aktuelle Heimsuchung für Millionen Menschen, sondern auch eine Vorbotin für künftige Gefahren.

Trump scheint vor diesen Hintergrund zu spüren, dass die Bilder aus Florida ungünstig für seine Politik der Realitätsleugnung sind. Er hält sich mit öffentlichen Äußerungen zurück, verspricht den betroffenen Gebieten Hilfe und versucht mediale Angriffsflächen zu vermeiden. Bei einem anderen Präsidenten wäre eine solche Reaktion ganz normal. Im Falle Trump wirkt dies jedoch weniger selbstverständlich, da er sonst fast jede spektakuläre Situation gern für aggressive Selbstinszenierung ausnutzt – sehr zur Freude seiner fanatischen Gefolgsleute und der vielen Fernsehsender, die der Präsident mit immer wieder anderen Variationen und Wendungen seiner politischen Botschaften beglückt.

Kommt Trump wegen Irma also zum Nachdenken über seine falsche Klimapolitik? Vermutlich eher nein. Denn der Chef des Weißen Hauses besitzt zwar viel Instinkt für kurzfristige Gefahren aber wenig Interesse, mehr als das unmittelbare Wohl seiner Anhängerschaft zu bedienen. Anders wäre es, wenn Irma die Trump-Klientel nicht nur beunruhigt sondern auch politisch durchwirbelt und meinungsmäßig verändert – eine wohl doch allzu optimistische Vorstellung.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)