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Donald Trump scheint jedes Mittel recht zu sein, um als Präsident wiedergewählt zu werden. Selbst aus dem Ausland würde er schmutzige „Informationen“ über Konkurrenten annehmen, versichert er jetzt der erstaunten Öffentlichkeit. Hat Trump den Wirbel um seine früheren Russland-Kontakte etwa schon vergessen? Hält er den Bericht des Sonderermittlers Mueller für einen Freibrief, dubiose ausländische Quellen zur illegalen Wahlkampfhilfe anzustiften?

Diese Mischung aus Dummheit und Dreistigkeit ist kaum zu glauben. Sie könnte ihn das Amt kosten – sofern die Amerikaner endlich begreifen und bedauern, dass sie mit Trump einen skrupellosen Spieler an die Spitze des Staates gestellt haben.

Und genau hier liegen der Kern des Problems und seine Lösung. Trump genießt trotz seiner dubiosen Amtsführung und seiner demokratiefeindlichen Äußerungen weiterhin große Unterstützung in der Bevölkerung. Dieser Rückhalt muss schwinden, damit der Spuk im Weißen Haus beendet werden kann. Der einzig gangbare Weg dahin ist ein überzeugender Wahlkampf seiner Gegner in der Demokratischen Partei.

Es ist zwar verständlich, dass sich nach den jüngsten Äußerungen Trumps in Sachen Auslandskontakte die Rufe nach einem Amtsenthebungsverfahren verstärken. Aber letztlich sind solche Forderungen weltfremd. Denn die Republikaner könnten mit ihrer Mehrheit im Senat jede Entscheidung gegen den Präsidenten blockieren. Und sie würden es mit Sicherheit tun, solange Trump weiterhin eine so große Unterstützung in weiten Teilen der Bevölkerung genießt. Schließlich wollen die republikanischen Abgeordneten und Senatoren im Schlepptau eines populären Präsidenten wiedergewählt werden.

Mehr noch: ein Amtsenthebungsverfahren könnte zum jetzigen Zeitpunkt sogar politisch schaden. Denn Trump würde gewiss nichts unversucht lassen, die Motive und Methoden der beteiligten Parlamentarier als egoistisch, sachfremd und schändlich zu verunglimpfen. Ein Präsident, der gegen den Willen des Volkes am grünen Tisch hinterrücks um die Früchte seiner Arbeit gebracht werden soll – für Trump wäre der Grundtenor seiner öffentlichen Gegenwehr simpel aber gut vermittelbar. Das politische Klima in den USA würde durch eine solche Dolchstoßlegende noch weiter vergiftet. Das darf niemand wollen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)