Besser könnte es für Angela Merkel mit Blick auf die nächste Bundestagswahl kaum laufen. Die Grünen dümpeln in Umfragen vor sich hin, der SPD-Spitzenkandidat verliert den Reiz des Neuen, und jetzt bricht auch noch in der AfD der lange schwelende Richtungsstreit in aller Härte offen aus.  Die Partei droht sich politisch  selbst zu zerlegen.

Vor allem letzteres könnte am Ende den Ausschlag zu Gunsten der Kanzlerin bringen. Denn der Verzicht von Frauke Petry auf Platz eins im Wahlkampf  bestätigt nur, dass die AfD für bürgerliche Wähler keine seriöse Alternative mehr sein kann. Dafür ist dort mittlerweile viel zu viel rechtsradikales Gedankengut verbreitet.

Hinzu kommen persönliche Animositäten in der Führungsriege. Petry hat dazu kräftig beigetragen. Sie gilt als eigensinnig und menschlich zunehmend isoliert. Auch deshalb wohl ihr Plan, auf dem Kölner Parteitag einen Befreiungsschlag zu versuchen. Zumindest programmatisch. Denn personell hat sie selbst die Weichen gegen sich gestellt – spektakulär und unwiderruflich. Ein Rückzieher vom Rückzug als Spitzenkandidatin wäre politisches Harakiri. Und dafür sollte selbst eine Frauke Petry zu clever sein.

Die AfD befindet sich damit in einer Sackgasse. Schmettern die Kölner Delegierten den vermeintlich „realpolitischen“ Antrag Petrys ab, könnte dies das Ende ihrer Parteikarriere einläuten. Die AfD müsste dann auf ihr bekanntestes Gesicht in der Öffentlichkeit verzichten. Mehr noch: Es könnte auf eine neuerliche Spaltung hinaus laufen – Bernd Lucke lässt grüßen. Petry droht dann ein ähnliches Schicksal wie ihrem Vorgänger.

Doch selbst wenn die Kölner Delegierten am Ende zu Gunsten Petrys votieren sollten: Der Schaden für die Gesamtpartei bleibt in jedem Fall. Denn Programm und Personen müssen in Wahlkämpfen grundsätzlich zusammen passen. Aber dies wäre unmöglich, wenn Petrys Gegner öffentlich einen Kurs steuern müssten, den sie parteiintern ablehnen. AfD-Anhänger sind in Sachen Führungschaos ja einiges gewöhnt. Doch ein solcher Spagat sollte selbst ihnen zu viel sein.

So oder so: Fünf Monate vor der Bundestagswahl bekommt die CDU unverhofft neue Chancen rechts von der Mitte. Die AfD ist angeschlagen, ihre bürgerliche Klientel verunsichert. Dies ist eine Steilvorlage für Merkel, um demokratisch gesonnene frühere Unionswähler wieder von der AfD zurück zu gewinnen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)