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Überalterung, Verwerfungen im Sozialsystem, verlassene Dörfer und Landstriche: Jahrelang haben Wissenschaftler und andere Experten vor den Folgen des demographischen Wandels in Deutschland gewarnt. Doch nun erreicht die Bevölkerungszahl mit 83 Millionen ein neues Rekordhoch. Also kein Grund mehr zur Beunruhigung und zu langfristigem Gegensteuern?

Nein, denn erstens wird die Zahl der Senioren nach wie vor überproportional zunehmen. Und zweitens brauchen die meisten der neu Zugewanderten viel Zeit, um sich voll zu integrieren. Beides zusammen stellt die deutsche Gesellschaft auf Dauer vor große soziale und wirtschaftliche Herausforderungen.

Fraglos wird es für Beschäftigte und Unternehmen teuer, wenn immer mehr Ältere das aktive Erwerbsleben verlassen, gleichzeitig aber weniger jüngere Beitragszahler die Sozialkassen finanzieren müssen. Mehr Zuwanderung ist hier auch keine Patentlösung. Diese Menschen kommen schließlich später ebenfalls mal in die Rentenphase mit Anspruch auf entsprechende Leistungen – sofern sie vorher überhaupt ausreichend eingezahlt haben.

Und genau an dieser Stelle relativiert sich die Freude über eine höhere Bevölkerungszahl ein weiteres Mal. Denn ohne Integration – sprich Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und Berufstätigkeit – sind Zuwanderer rein finanziell gesehen eher eine Belastung als ein Gewinn.

Umso wichtiger ist, sie möglichst zügig zu qualifizieren. Vor allem für Flüchtlinge und ihre Familien, die eine Bleibeperspektive in Deutschland haben, muss zunächst kräftig investiert werden. Dies reicht von Sprachkursen, zusätzlichen Klassenräumen und mehr Lehrpersonal für die Kinder bis hin zu Möglichkeiten, vorhandene Berufskenntnisse den Erfordernissen des deutschen Arbeitsmarkts anzupassen. Auch hier gilt: Je höher die Zahl der Betroffenen, desto teurer wird es zunächst für den Rest der Gesellschaft.

Fazit: Der neue Bevölkerungsrekord löst kein Problem automatisch. Doch er könnte den demographischen Wandel im günstigen Fall langfristig etwas abmildern helfen. Diesen Prozess sollte die Politik durch noch mehr Erleichterungen und Investitionen für integrationsfähige Neuankömmlinge begleiten. Dabei muss allerdings klar bleiben: Wer sich den Förderungen entzieht, kann gerne gehen…

(Für Pressekorrespondenz Berlin)