Vor hundert Jahren wurde John F. Kennedy geboren – ein Name, der bis heute die Menschen weltweit fasziniert und der in Zeiten von Donald Trump zusätzliche Strahlkraft bekommt. Das ist auf den ersten Blick überraschend. Denn Kennedys Amtszeit liegt lange zurück, war kurz und im Vergleich zu anderen US-Präsidenten inhaltlich keineswegs herausragend. Auch menschlich ist er gewiss kein Vorbild gewesen. Doch andererseits verkörperte Kennedy die Hoffnung auf eine weltoffene, liberale und verantwortungsbewusste Nation, die ihre Werte achtet und der ihre Freunde vertrauen können. All dies steht heute wieder in Frage.

Kennedy hat in seinen 1000 Tagen im Weißen Haus viele Fehlentscheidungen getroffen. Aber das ist mittlerweile nur noch Stoff für Historiker. Überdauert bis heute hat anderes: Glanz, Charisma und die Tragik eines Präsidenten, der einem bis heute nicht vollständig aufgeklärten Attentat zum Opfer fiel; und vor allem der ansteckende Enthusiasmus, mit dem Kennedy seinen Landsleuten neue Ziele und Grenzen wies.

Ob Überwindung von Armut und Rassentrennung oder erste Mondmission: Ehrgeiz und Visionen dieses jungen Präsidenten wirken auch über 50 Jahre nach seinem Tod genauso aktuell wie die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht nur für die USA. Vor diesem hellen Hintergrund erscheint Trumps „America first“ als kleingeistige und unamerikanische Parole, durchwirkt von Versagensängsten, Habgier und nationaler Überheblichkeit.

Man sollte Person und Ära Kennedys gewiss nicht verklären. Dafür waren seine persönlichen und politischen Defizite zu groß. Auch die damaligen Themen und Probleme lassen sich mit den heutigen nicht ohne weiteres vergleichen. Doch bei allen Unterschieden: Etwas mehr Kennedy und deutlich weniger Trump könnte den USA des Jahres 2017 gewiss nicht schaden.

Zurzeit ist dies nur eine vage Hoffnung. Ein Land, das einen so schillernden und großspurigen Baulöwen wie Trump ins höchste Staatsamt wählt, steckt voller gesellschaftlicher Verwundungen und Verwerfungen. Die USA können nicht einfach per auf Knopfdruck wieder in den bewährten politischen Normalbetrieb im Sinne der amerikanischen Verfassungsväter umschalten. So etwas braucht Zeit. Umso wichtiger, sich anlässlich des 100. Geburtstag von John F. Kennedy vorzustellen, wie völlig anders und positiver die USA eines Tages wieder werden könnten…

(Für Pressekorrespondenz Berlin)