Die Bilder und Berichte über die Zerstörungen in Syrien sind schrecklich. Dabei zeigen sie „nur“ die materiellen Schäden – so katastrophal diese auch sein mögen. Noch verheerender sind die körperlichen und seelischen Verwundungen, die die dort lebenden Menschen erleiden. Allen voran die Kinder, wie auch der jüngste Bericht von Unicef bestätigt. Wer schon in den ersten Jahren seines Lebens derartiges Leid erfährt, hat es später umso schwerer. Die menschlichen, sozialen aber auch politischen Folgen sind unkalkulierbar. Sie reichen in Form hoher Flüchtlingszahlen bis hin nach Deutschland.

Umso wichtiger ist, dass die Kämpfe in Syrien endlich aufhören. Schon jetzt hat die Zahl der getöteten, verletzten oder auch als Kindersoldaten rekrutierten Jungen und Mädchen eine unfassbare Höhe erreicht. Hier geht es um Taten, die in jeder Zivilisation und in jeder Religion zu den verabscheuungswürdigsten Verbrechen gehören. Trotzdem geschehen sie in Syrien weiter, ohne dass irgendeine Konfliktpartei zumindest in den eigenen Reihen dagegen vorgeht. Krasser können Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht nicht sein.

Es wird höchste Zeit, dass die UNO alle rechtlichen und faktischen Möglichkeiten bekommt, um in solchen Fällen die Täter dingfest zu machen und zu bestrafen. In dieser Hinsicht macht der Unicef leider keinen Mut. In Syrien sind offenkundig alle Dämme gegen Terror und Werteverfall gebrochen. Und der Rest der Welt schaut hilflos zu oder sucht gar zynisch seinen machtpolitischen Vorteil. Das ist der blanke Horror.

Die Kinder, die solche Schreckenszeiten überleben, dürften immer daran denken. Niemand sollte sich wundern, wenn daraus in Jahrzehnten neue Gewalt entsteht – gespeist aus Verbitterung und Rache. Und ein solcher Terror würde gewiss nicht an den Grenzen Syriens haltmachen. Insofern sind humanitäre Hilfe, Friedenspolitik und innere Sicherheit langfristig aufs engste miteinander verbunden. Deutschland und die Europäische Union müssen dem noch stärker als bisher Rechnung tragen.

Vorrangig ist, die Kämpfe endlich zu beenden und eine neue Friedensordnung zu schaffen. Nur so lässt sich verhindern, dass der nächste Unicef-Bericht zum Leid der syrischen Kinder noch viel schrecklicher als der jetzige wird.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)