Wie jetzt bekannt wurde, wollen die Regierungsfraktionen noch in diesem Jahr Kinderehen in Deutschland umfassend verbieten. Entsprechende Eheschließungen durch islamische Geistliche wären dann illegal, im Ausland erfolgte Heiraten von Kindern und Jugendlichen nicht mehr anerkannt – ein längst überfälliger Schritt.

Zwar gibt es hierzulande weniger als 1500 Betroffene. Doch hinter der gering erscheinenden Zahl stehen viele zerstörte Lebensträume und Familientragödien. Außerdem erweckt die Zahl den fatalen Eindruck, als würden für Parallelgesellschaften Ausnahmeregelungen gelten. Das Gegenteil ist richtig: Wer in Deutschland leben will, muss die hiesigen Gesetze und Grundwerte respektieren – ausnahmslos. Kinderehen haben da keinen Platz, auch wenn diese in anderen Kulturkreisen zum Alltag gehören mögen.

Kinder und Jugendliche sollen sich frei entwickeln können, eine Chance zum selbstbestimmten Leben im Kreise von Freunden und Familie erhalten. Sie gehören deshalb in Schule und Ausbildung, nicht arrangiert oder zwangsweise in ein Ehebett. Dies ist weniger eine Frage der Moral als der Menschenwürde, die selbstverständlich auch für Jungen und Mädchen unter 18 Jahre gilt.

Beim geplanten Verbot von Kinderehen geht es daher nicht um staatliche Bevormundung oder gar Missachtung von fremden religiösen Traditionen. Thema sind allein der Schutz von Kindern und Jugendlichen sowie die Integration von Ausländern, die – aus welchen Gründen auch immer -, nach Deutschland gekommen sind. Sie müssen nicht nur die neue Sprache lernen sondern auch in anderer Hinsicht die alten Bahnen verlassen. Wer dies beharrlich ablehnt, muss sich fragen lassen, weshalb er überhaupt gekommen ist. Oder ob er nicht besser woanders hingehen sollte.

Migrationshintergrund ist kein Freibrief zum systematischen Anderssein in einer Demokratie, die im Grundgesetz ihre für alle verbindlichen Werte fixiert hat. Wer hierzulande erst als Gast und später als Mitbürger leben möchte, sollte sich auch um die entsprechende Eingliederung bemühen. Dies können die ortsansässigen Menschen, die sie mit Steuergeld und privatem Engagement unterstützen, mit Fug und Recht erwarten. Fordern und fördern heißt dies bewährte Prinzip, das seit der Agenda 2010 zum Kanon deutscher Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik gehört. Es lässt sich gut auf die Integration von Flüchtlingen übertragen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)