Spaniens König Felipe hat eine historische Chance vertan. Statt die Nation zu einen vertiefte der Monarch mit seiner Fernsehansprache den Konflikt um eine mögliche Unabhängigkeit Kataloniens. Fataler kann ein Staatsoberhaupt kaum agieren.

Zwar hat Felipe in einem Punkt recht: Das Vorgehen der Regionalregierung in Barcelona ist ungesetzlich. Aber ebenso klar ist, dass auch die Madrider Zentralregierung versagt hat und Katalonien nur noch mit Gewalt unter ihre Kontrolle bringen könnte – mit allen langfristigen Folgen bis hin zum Terrorismus, die ein solcher Polizeieinsatz haben dürfte.

Rechthaberei stoppt keine Revolutionäre und führt deshalb nicht weiter. Stattdessen gilt es, besonnen und mit Augenmaß vorzugehen. Die Kontrahenten müssen endlich innehalten und gemeinsam nach einer friedlichen Lösung suchen. Sonst sind alle auf der Verliererstraße. Dazu hätte der König etwas sagen können und müssen.

Auch Brüssel ist mittlerweile gefordert. Die EU darf nicht einfach tatenlos zusehen, wie sich ein Mitgliedsstaat selbst politisch und wirtschaftlich zu ruinieren beginnt. Denn aus einer rein innerspanischen Angelegenheit wird zunehmend ein gesamteuropäischer Konflikt. Schließlich gibt es auch andernorts Regionen, in denen viele Bürger nach mehr Autonomie bis hin zur Unabhängigkeit streben. Katalonien könnte hier zum unguten Katalysator werden.

Rechtlich sind Brüssel zwar die Hände gebunden, solange die spanische Zentralregierung nicht ausdrücklich um Hilfe bittet. Aber politisch muss Einfluss genommen werden, um ein Chaos zu vermeiden. Das Beste wäre, beide Seiten würden einen neutralen Vermittler aus einem der EU-Staaten akzeptieren. Dadurch könnte Zeit gewonnen werden, bis erneut ein Referendum über den künftigen Status von Katalonien abgehalten würde.

Denn an einer erneuten Volksabstimmung dürfte nach den Ereignissen der vergangenen Tage und Wochen kein friedlicher Weg mehr vorbeiführen. Allerdings müsste ein solches Votum dieses Mal fair und geordnet ablaufen. Und sein Ausgang? Wenn Madrid, Barcelona und Brüssel endlich klug und kompromissbereit agieren, kann Spaniens Einheit durchaus noch bewahrt bleiben. Dies wäre die mit Abstand beste denkbare Lösung eines Konflikts, der längst selbstzerstörerische Formen angenommen hat.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)