Die heftigen Diskussionen in Washington nach dem Treffen von Donald Trump und Wladimir Putin sind mehr als angemessen. Augenscheinlich hat der US-Präsident die eigenen Geheimdienste schlecht geredet und stattdessen Vertrauen in die Behauptungen des Kremlchefs erkennen lassen – ein beispielloser Vorgang.

Auch in Berlin und Brüssel muss es jetzt heißen, erst Bilanz und dann Konsequenzen aus diesem Verhalten zu ziehen. Eine weitere diplomatische Annäherung zwischen Trump und Putin, wie sie Außenminister Heiko Maas fordert, ist jedenfalls kein Patentrezept. Im Gegenteil, sie könnte zum Bumerang für die Verbündeten werden.

Zwar gab es bei der jüngsten Begegnung in Helsinki keinen GAU. Trump war Putin fachlich und strategisch klar unterlegen, aber glücklicherweise fiel er den Europäern nicht krass in den Rücken. Dies könnte jedoch schon beim nächsten Mal der Fall sein, sofern sich der unberechenbare Trump nicht grundlegend ändert. Und das ist kaum zu erwarten. Daher muss bei all seinen Auslandskontakten weiterhin diplomatisch die höchste Alarmstufe gelten.

Aus dieser Bredouille gibt es auf die Schnelle kein Entkommen. Zu abhängig sind die Europäer insbesondere in der NATO vom Geld und Goodwill der Amerikaner, die dort die Hauptlast tragen. Und die EU ist weiterhin zu uneins, um international so viel Einfluss auszuüben, wie ihr aufgrund der Wirtschaftskraft möglich sein könnte. Das war bislang bedauerlich, aber zugleich auch günstig und politisch bequem. Insofern hatten die Europäer im Grunde wenig Druck, diese Komfortzone unter Mühen zu verlassen. Im Zweifel würden es die Amerikaner ja schon richten.

Damit muss Schluss sein. Weitermachen wie bisher wäre langfristig gefährlich, weil es die eigenen Handlungsmöglichkeiten drastisch begrenzt. Es wird daher allerhöchste Zeit, sich von diesem US-Präsidenten unabhängiger zu machen und die eigene Sicherheit mehr in die eigene Hand zu nehmen. Das heißt konkret: Die Europäische Union im Sinne des französischen Präsidenten Emmanuel Macron stärken, die Verteidigungsausgaben kräftig erhöhen und zugleich die Kontakte mit amerikanischen Freunden ausbauen, weil Trump nicht ewig regieren wird und schon jetzt nicht das ganze Amerika repräsentiert.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)