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Die “Fridays for Future”-Bewegung hat in sehr kurzer Zeit viel Schwung in die öffentliche Debatte gebracht. Doch wie soll es weitergehen? Der Sommerkongress in Dortmund muss hierzu erste Ansätze erkennen lassen. Denn die Begeisterung der zumeist jugendlichen Demonstranten könnte bald erlahmen, wenn konkrete Erfolge ausbleiben. Auch drohen beim Führungspersonal moralische Selbstüberschätzung und ein beginnender Starkult. Fragen von Organisation und Professionalisierung dürften deshalb entscheidend dafür werden, ob die Bewegung Zukunft hat.

Hinzu kommt eine teilweise befremdlich hohe Anspruchshaltung, die schon an Überheblichkeit grenzt. So wurde beispielsweise nur die Bundeskanzlerin zum Sommerkongress nach Dortmund eingeladen. Als Angela Merkel urlaubsbedingt absagte, verzichteten die Organisatoren gänzlich auf Gespräche mit führenden Vertretern von Regierung und Opposition – ein Stil, der viele Sympathisanten der Bewegung vor den Kopf stoßen dürfte.

Zu einer Demokratie gehören nun mal Dialoge mit den Verantwortlichen und nicht nur Demonstrationen. Oder zugespitzt: Beim Kampf gegen den Klimawandel zählen Konzepte und Kompromisse auf Dauer mehr als Kongresse und Klamauk.

Doch unabhängig davon, wie es jetzt mit „Friday for Future“ weitergeht: die Teilnehmer der Demonstrationen haben die politische Agenda in Deutschland nachhaltig verändert. Klimaschutz genießt nun in  allen etablierten Parteien starke Aufmerksamkeit. Selbst ein so traditioneller Politiker wie CSU-Chef Söder singt plötzlich das hohe Lied auf einen sorgsameren Umgang mit den natürlichen Ressourcen.

Damit stoßen die Einflussmöglichkeiten von „Friday for Future“ allerdings auch an Grenzen. Denn umfassende Veränderungen lassen sich durch Druck von außen nur schwer erreichen. Sinnvoller und nachhaltiger ist Mitarbeit in den Parteien, die in einer Demokratie die politische Willensbildung gestalten.

Das mag gerade für Jugendliche gelegentlich etwas langwierig und mühsam wirken, aber auf Dauer kann dort inhaltlich mehr bewirkt werden als durch letztlich unverbindliche Kundgebungen mit Gleichgesinnten. Daher wäre es nur wünschenswert, wenn viele junge Demonstranten in naher Zukunft den Weg in die etablierten Parteien finden würden.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)