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Und wieder einmal wird eine Woche ganz im Zeichen des Brexit stehen. Die Briten haben genügend Zeit gehabt, um über die Ergebnisse des vergangenen EU-Gipfels nachzudenken. Jetzt sollten sie sich endlich über ihre Zukunft klar werden. Die europäischen Partner haben ihnen mehr Brücken gebaut, als die Briten im Vorfeld erwarten durften. Die EU hat dabei erstaunlich großen Zusammenhalt, viel Weitblick und zugleich genügend Flexibilität für eine Kompromisslösung bewiesen. Von London kann man leider nur das Gegenteil sagen.

Wer solche Politiker als Partner in einer Union hat, ist nur zu bedauern. Deshalb sollte man in Brüssel den Briten auch nur eine kleine Träne nachweinen, wenn sie die Union verlassen – falls überhaupt. Denn in den vergangenen zwei Jahren ist dermaßen viel politisches Porzellan zerschlagen worden, dass ein Ende mit Schrecken mittlerweile auch für die EU die deutlich attraktivere Lösung ist.

Die Europäische Union steht vor immensen Herausforderungen. Die Themen reichen von Klimaschutz, Migration bis hin zu Reformen in der Finanz- und Wirtschaftspolitik. All dies dürfte ohne London leichter zu regeln sein, solange dort Europagegner und nationale Träumer das Ruder in der Hand behalten. Und selbst wenn diese jetzt wider Erwarten etwas zurückstecken sollten: Bei nächster Gelegenheit dürften sie wieder auf Konfrontation schalten. Da kann man aus europäischer Warte nur noch sagen: Reisende soll man nicht aufhalten.

Ob und wie die Briten das Thema Brexit bis zur nächsten Frist am 12. April letztlich für sich regeln werden: Für die EU darf dies keine allzu große Bedeutung mehr haben. Sie muss jetzt vorrangig an sich selbst denken. Dies haben die Staats- und Regierungschef auf dem Gipfel vergangene Woche auch getan, indem sie die Legitimität der Wahl zum Europäischen Parlament in den Vordergrund gestellt haben.

Damit wird weiteren Zeitverschleppungen durch Premierministerin May ein Riegel vorgeschoben. Sie hat noch einmal eine letzte Chance für einen geordneten EU-Austritt gekommen. Wenn diese verstreicht, muss der Brexit eben so kommen und Frau May sollte endlich als Regierungschefin gehen…

(Für Pressekorrespondenz Berlin)