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Es wirkt bezeichnend. Während Kanzlerin Merkel am französischen Nationalfeiertag als Gast in Paris bloße Zuschauerin der großen Militärparade ist, betont Präsident Macron demonstrativ die europäische Verteidigungspolitik und kündigt am Vorabend der Feierlichkeiten ein nationales Weltraumkommando an. Macron setzt Zeichen und schafft Fakten, während Merkel schweigt und bloß gute Miene zum Geschehen machen kann.

Der Traum von einer Wiederbelebung der politischen Achse Berlin-Paris hat sich in den deutschen Koalitionswirren verflüchtigt – zum Nachteil aller Beteiligten, auch der Franzosen. Denn man sollte sich von Pomp und Parade am Nationalfeiertag nicht täuschen lassen: Paris ist sicherheits- und außenpolitisch einflussreich, aber global gesehen trotzdem viel zu unbedeutend, um sich allein zu schützen. Dies geht nur in Zusammenspiel mit den europäischen Partnern und mit der NATO. Insofern sollten Macrons Initiativen nicht als Alleingänge sondern als Angebote zur Kooperation verstanden werden.

Klar ist aber auch: Frankreichs Präsident will nicht länger tatenlos auf die Langsamsten im Kreis der Verbündeten warten. Recht hat er damit, zumal er von der Persönlichkeit und dem Amtsverständnis her ohnehin wie selbstverständlich eine Führungsrolle beansprucht. Hier steht Macron ganz in der Tradition der Grande Nation und eines Charles de Gaulle.

Es wird daher höchste Zeit, dass Deutschland aktiver als bisher den sicherheitspolitischen Schulterschluss mit Macron sucht. Dies gilt zunächst für den militärischen Teil. So müssen die Bundeswehr und die französische Armee so eng wie möglich miteinander verzahnt werden. Die bisherigen Ansätze hierzu sollten beschleunigt ausgeweitet werden. Dies spart Kosten, stärkt die gemeinsame Verteidigungskraft und könnte weitere Partner in Europa zu ähnlich intensivem Mitmachen ermuntern.

Ähnlich wichtig ist ein besserer deutsch-französischer Zusammenhalt beim Thema internationale Abrüstung. Die USA, Russland und andere Staaten sind dabei, die bewährten Abkommen und Strukturen früherer Jahre nach und nach abzubauen. Dies ist hochgradig gefährlich. Es drohen neue Rüstungswettläufe, die auch Europa ein Stück weit unsicherer machen. Wenigstens bei diesem Thema könnte Merkel gegenüber Macron die Initiative ergreifen, denn Friedenspolitik gehört spätestens seit den Zeiten Willy Brandts und Helmut Kohls zur DNA der deutschen Außenpolitik.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)