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Keinerlei Anzeichen für Einlenken oder wenigstens kleinere Änderungen: Die neue italienische Regierung sucht im Haushaltstreit mit Brüssel offensichtlich den großen Showdown. Den Populisten aus Rom scheint dabei jedes Mittel Recht zu sein. Ihre vermeintliche Wunderwaffe heißt Erpressung durch Androhung von finanziellem Selbstmord – sprich des eigenen Staatsbankrotts mit möglicherweise dann folgender Eurokrise.

Das ist ebenso unverfroren wie verantwortungslos. Doch die Reaktionsmöglichkeiten der EU sind wegen interner Differenzen letztlich begrenzt. Darauf scheint Rom zu setzen, um noch mehr Schulden zu machen. Eine Rückkehr zur Vernunft können deshalb wohl nur die Kapitalmärkte erzwingen, indem sie höhere Zinsen für Italiens Staatsanleihen verlangen. Motto: Wer nicht hören will, muss fühlen.

Die Regierung in Rom darf sich darüber nicht beklagen. Denn wer unsolide wirtschaftet, bietet weniger Gewähr, Kredite sprich Anleihen auch pünktlich und vollständig zurückzahlen zu können. Das gilt bei Privatleuten ebenso wie bei Staaten. Geld von Banken oder Gläubiger gibt es dann nur noch mit Risikoaufschlägen – wenn überhaupt.

Diese ökonomischen Zusammenhänge möchten die italienischen Populisten jedoch möglichst herunterspielen. Ihre Strategie heißt: Alles in einen ideologisch-politischen Konflikt mit Brüssel umzudeuten. Damit lassen sich auf nationaler Ebene am leichtesten die eigenen Anhänger mobilisieren und Wählerstimmen von frustrierten Wählern gewinnen.

Dass am Ende zwangsläufig eine bittere Rechnung folgen und alles in der einen oder anderen Form bezahlt werden muss, steht auf einem anderen Blatt. Es wird von den Regierenden in Rom verdrängt. Sie setzen auf den Augenblick. Und da zählen weitere staatliche Wohltaten auf Pump und die eigenen Karriereambitionen.

Gleichwohl ist Brüssel gut beraten, den Konflikt nicht dramatisch zuzuspitzen. Denn dies könnte von der italienischen Führung zu einer weiteren Emotionalisierung genutzt werden, was die Situation aus europäischer Sicht noch heikler machen würde. Für die EU-Kommission dürfte es daher das Beste sein, stattdessen den rechtlich fixierten Sanktionsmechanismus in aller Form zu starten, ansonsten politisch auf Zeit zu spielen und zunächst den Märkten alles andere zu überlassen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)