An markigen Parolen gegen Terroristen lässt sich Theresa May nach den jüngsten Anschlägen von niemandem übertreffen. Gleichwohl gerät die Premierministerin kurz vor der Parlamentswahl am Donnerstag weiter in die Defensive. Die drei mutmaßlichen Attentäter wurden zwar gestellt und erschossen, aber alle Festgenommenen mussten mittlerweile wieder freigelassen werden. Auch war einer der Getöteten als gefährlicher Islamist bekannt. Dennoch konnte er zu Pfingsten ein Massaker im Herzen Londons verüben. Entsprechend wächst die Kritik an den Behörden.

Für all dies ist die Premierministerin nicht unmittelbar verantwortlich. Aber May wird dadurch unter zusätzlichen politischen Druck gesetzt. Schließlich war sie vor ihrem aktuellen Amt sechs Jahre lang Innenministerin und damit für Terrorismusbekämpfung zuständig. Arbeitsweise und Ausstattung der Sicherheitsbehörden fallen auf sie persönlich zurück – inklusiver verschiedener Sparmaßnahmen.

Damit hat die Opposition wenige Tage vor der Wahl mit ihrer Kritik relativ leichtes Spiel. Auch deshalb könnte es für die Premierministerin am Donnerstag knapper als ursprünglich erwartet ausgehen, selbst wenn sie am Ende vermutlich doch die Nase vorn haben wird.

So oder so: Theresa Mays Kalkül, durch vorgezogene Parlamentswahlen ihre Position bei den Brexit-Verhandlungen zu stärken, ist fehlgeschlagen. Für die regierenden Konservativen mag dies noch so bitter sein, unter dem Strich nützt dies der EU und Großbritannien gleichermaßen. Denn vernünftige Kompromisse beim Brexit scheinen wegen der Schwächung der Premierministerin wieder wahrscheinlicher.

May muss erkennen, dass ihre generelle Macht- und damit auch Verhandlungsposition bei den Austrittsgesprächen enge Grenzen hat. Ihr bisher harsches Auftreten in London und Brüssel brachte ihr zwar ein Menge Aufmerksamkeit ein. Aber als Erfolgsstrategie hat sich dieser Stil der Premierministerin nicht erwiesen. Sollte sie ihr Amt behalten, dürfte May daher künftig flexibler und verbindlicher agieren.

Unabhängig davon zeigt das Beispiel von Mays Konservativen, wie schnell ein vermeintlich sicherer Wahlsieger auf den letzten Metern noch ins Stolpern kommen kann. Angela Merkel und die Union sollten gewarnt sein. Auch in Deutschland ist bis September ein vergleichbarer Stimmungsumschwung nicht völlig auszuschließen…

(Für Pressekorrespondenz Berlin)