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Es hätte viel schlimmer kommen können. Denn die neu gewonnene Mehrheit der Demokraten im US-Repräsentantenhaus wird Donald Trump noch schwer zu schaffen machen. Dazu gehören für ihn unangenehme Untersuchungen zu seinem Finanzgebaren sowie zu geschäftlichen Kontakten mit ausländischen Regierungen. Und bei Geld und Gesetzen haben Trumps Republikaner im Kongress auch nicht mehr das alleinige Sagen. Das zwingt den Präsidenten zu Kompromissen.

Gleichwohl bestätigt das Wahlergebnis leider, wie tief gespalten die Nation ist. Und Trump zeigt nicht die geringste Neigung, Brücken zu bauen. Im Gegenteil, er fährt seit Beginn seiner Amtszeit einen brutalen Konfrontationskurs. Dies lässt für seine bald beginnende Kampagne zur Wiederwahl nichts Gutes erwarten.

Hinzu kommt, dass Trump nun einen Sündenbock für all seine Versäumnisse und unerfüllten Wahlversprechen bekommen hat: Die demokratische Mehrheitsfraktion im Repräsentantenhaus. Ihr dürfte er vor seinen Anhängern die Schuld für alles zuschieben, was diese als negativ empfinden. Motto: Ich hätte die Dinge ja zum Positiven geändert, wenn die Demokraten mir nicht in den Rücken gefallen wären.

Im Übrigen wird Trump gewiss versuchen, Keile in die überaus bunt gemischte Fraktion der Demokraten zu treiben. Der Hebel dazu ist die Macht eines Präsidenten, finanzielle Vor- oder Nachteile für die Wahlbezirke der jeweiligen Abgeordneten zu organisieren, beispielsweise über Wirtschaftsförderung, gezielte Militärausgaben oder Projekte zur Infrastruktur. So etwas sichert oder gefährdet Arbeitsplätze und damit auch die Reputation des betreffenden Volksvertreters. Eine gewisse Konzilianz gegenüber dem Präsidenten liegt daher für viele Mitglieder im Repräsentantenhaus unabhängig vom Parteibuch nahe.

Bereits in zwei Jahren werden im Repräsentantenhaus alle 435 Sitze neu vergeben. Diese recht kurze Zeitspanne erhöht den Erfolgsdruck für den einzelnen Parlamentarier zusätzlich, zumal wenn ihm chancenreiche Gegenkandidaturen drohen. Trump könnte solche Zwangslagen mit einer Strategie von Zuckerbrot und Peitsche für sich ausnutzen wollen. Sein bisheriges Verhalten als Präsident spricht dafür, dass er dies mit aller Härte versuchen wird. Damit stehen den USA und ihren Verbündeten weiterhin politisch sehr unruhige Zeiten bevor.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)