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Gewiss, die Position eines Verfassungsschutzpräsidenten ist wichtig und politisch sensibel. Andererseits ist dieses Amt an die Weisungen des Innenministeriums gebunden, sein Inhaber steht nicht an der Spitze der Beamten- und Besoldungshierarchie. Insofern wäre es abwegig, wegen einer solch nachgeordneten Personalie möglicherweise ein Regierungsbündnis scheitern zu lassen. Doch offenbar stand dies im Fall Maaßen kurz bevor. Diese Zuspitzung zeigt, wie blank die Nerven in Berlin mittlerweile liegen.

Die Kanzlerin steht damit vor ihrer vielleicht größten innenpolitischen Bewährungsprobe. Angela Merkel muss die CSU und deren Bundesinnenminister endlich wieder in die Kabinettsdisziplin einbinden. Sonst könnte ihre Kanzlerschaft bald ein unrühmliches Ende finden. Denn die von Merkel im Fall Maaßen und auch sonst gern ausgeübte Moderatorenrolle hat sich überlebt. Oder um es mit den Worten eines ihres Amtsvorgänger zu sagen: Merkel muss wieder klarstellen, wer Koch – beziehungsweise Köchin – und wer Kellner ist.

Vor der bayerischen Landtagswahl Mitte Oktober sind zwar keine Machtworte Merkels zu erwarten. Sie möchte schließlich nicht für die erwartete CSU-Schlappe mitverantwortlich gemacht werden. Aber danach müssen die Schwesterparteien Tacheles miteinander reden. Die CDU und ihre Kanzlerin dürfen sich nicht länger von Seehofers Eigenarten und seinen persönlichen Ressentiments gegen die Kanzlerin abhängig machen.

Die Christsozialen wiederum sollten sich entscheiden, ob sie diese Berliner Koalition überhaupt noch mittragen wollen. Wenn ja, was aus Stabilitätsgründen zu hoffen ist, dann muss es aber auch zu einem wirklichen Neubeginn kommen: fair im Umgang und konstruktiv bei den gemeinsamen Projekten.

Ob ein Minister Seehofer dafür angesichts der Querelen erst um Flüchtlinge und dann im Fall Maaßen noch geeignet ist, kann mit Fug und Recht bezweifelt werden.. Seine Uhr als Spitzenmann der CSU ist ohnehin längst abgelaufen. Und in der aktuellen Nachspielzeit schießt er für die Union ein Eigentor nach dem anderen.

Nach der Landtagswahl sollte Ministerpräsident Markus Söder daher alles daran setzen, dass sich sein Amtsvorgänger vollends aufs Altenteil zurückzieht. Sonst würde auch er durch Seehofers Egotrips immer weiter in politische Mitleidenschaft gezogen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)