Der islamistische Terrorismus hat jetzt auch Deutschland mit voller Wucht erreicht. Die Bürger sind tief verunsichert. Entsprechend groß waren die Erwartungen an die Kanzlerin vor ihrer gestrigen Pressekonferenz, für die sie eigens den Urlaub unterbrochen hatte.

Angela Merkel hat besonnen und souverän geantwortet. Doch inhaltlich war nichts wirklich Neues zu erfahren. Stattdessen ging es mehr um die Haltung, um die Werte, mit denen die Kanzlerin auf die Herausforderungen reagieren will. Ein solch nüchterner Stil passt zwar zu Merkel und auch zu den aktuellen Herausforderungen. Aber reicht er tatsächlich aus, um die Bürger zu beruhigen?

Eine gewisse Ratlosigkeit, ja Skepsis bleibt. Die CDU-Chefin bekräftigte zwar demonstrativ ihren Satz vom vergangenen Herbst „Wir schaffen das“. Doch fast genauso wichtig ist: schafft sie es? Gelingt es Merkel, ihren Kurs der Ruhe und Besonnenheit genügend plausibel und damit durchsetzbar zu machen? Auf der gestrigen Pressekonferenz konnte die Kanzlerin viele einzelne Antworten geben. Aber es fehlte die große und emotionale Botschaft, die sich in den Köpfen der Menschen festsetzt. Merkel argumentierte gewohnt nüchtern, ja fast technokratisch. Es gab keine neuen Bilder, keine Idee, keine „Geschichte“, mit der sich Vertrauen und Zuversicht schaffen lässt. Da hätte die Kanzlerin gestern mehr bieten sollen.

Ansonsten lief der Auftritt fehlerfrei ab. Positiv vor allem das Bemühen um Gemeinsamkeiten im Kampf gegen den Terror. Die unterschiedlichen Akzente der Berliner Regierungsparteien blieben weitgehend außen vor. Dazu gehört auch, dass Merkel markige Worte oder gar Scharfmacherei konsequent vermied. Dies gilt etwa mit Blick auf die aktuelle Lage in der Türkei. Ihre Distanz zur dortigen Politik von Staatschef Erdogan wurde zwar deutlich, aber zugleich bemühte sich Merkel durch vorsichtige Wortwahl, den Gesprächsfaden nach Ankara zu halten. Das ist für eine Regierungschefin professionell und richtig.

Auch der von Merkel gestern präsentierte Neun-Punkte-Plan bietet in der vorliegenden Form kaum Anlass zu Kritik. Dafür ist er noch zu allgemein gehalten. Die heiklen Punkte liegen im Detail, etwa beim Thema Bundeswehreinsatz im Innern. Sie dürften erst nach der nächsten Bundestagswahl geklärt werden.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)