Den eigenen Arbeitgeber kräftig schädigen und dafür auch noch Millionen als „Leistungszulage“ kassieren – nicht nur bei der Deutschen Bank ist dies in der Finanzbranche seit Jahren gang und gäbe. Aktionäre und Kunden sind zu Recht empört. Auch die Steuerzahler sind betroffen, wenn Institute durch dramatische Fehlentscheidungen Milliardenverluste anhäufen und in eine existenzbedrohende Schieflage geraten. Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit gibt es leider reichlich. Da ist es nur konsequent, dass die Deutsche Bank jetzt Boni von gescheiterten Managern zurückfordert.

Wie juristisch erfolgversprechend dies ist, mag dahingestellt sein. Gegenüber Mitarbeitern, Politik und Öffentlichkeit bleibt das Signal in jedem Fall richtig. Hinzu kommt, dass die Finanzaufsicht Bafin aktuell eine Verordnung vorbereitet, um das Einbehalten und die Rückforderung von Boni verbindlich zu regeln. Sie soll bereits ab 1. Januar gelten. Insofern liegt das Vorgehen der Deutschen Bank gegen ihre Ex-Manager voll im politischen Trend.

Der finanzielle Effekt bleibt jedoch begrenzt. Denn so hoch und schmerzhaft die möglichen Rückzahlungen für die Betroffenen auch sein mögen – das Institut wird auf diese Weise gewiss nicht saniert. Da geht es um ganz andere Größenordnungen. Man denke etwa an die 14 Milliarden Dollar, die US-Behörden aktuell von der Deutschen Bank wegen Immobiliendeals zu Zeiten der Finanzkrise fordern.

Umso wichtiger ist die Botschaft an die Führungskräfte: Leistung soll sich lohnen, aber nur wenn sie tatsächlich einen Gewinn für das Unternehmen bringt. Eben dies wurde in der Vergangenheit viel zu lange ausgeblendet. Hochriskante Geschäfte mit erhofften Traumrenditen versprachen millionenschwere Boni – ein gefährlicher Anreiz für Manager. Der Schritt vom notwendigen Renditestreben hin zum Spekulieren mit Kundengeldern wurde immer kleiner. Das muss sich radikal ändern.

Es genügt nicht, einzelne Manager belangen zu wollen, für die im Übrigen juristisch die Unschuldsvermutung gilt. Der Fehler liegt im Vergütungssystem, das zu Missbräuchen förmlich einlädt. Hier muss ein radikaler Wandel in Richtung Nachhaltigkeit erfolgen. Die Aufsichtsräte der Banken haben bereits erste Weichen gestellt. Weitere sollten folgen, damit das böse Bild von Zockern in Nadelstreifen endgültig zur Vergangenheit gehört.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)