Ob nur ein paar hundert oder doch ein paar tausend Teilnehmer: In jedem Fall war der Kölner Friedensmarsch von Muslimen weitaus kleiner als erhofft. Für die Veranstalter ist dies bitter, für alle anderen Muslime eine vertane Chance. Niemand will ihnen eine geistige Nähe zu islamistischen Terroristen unterstellen. Gleichwohl morden Fanatiker im Namen eines Glaubens, dem hierzulande Millionen Menschen anhängen. Entsprechend wichtig ist es, dass alle liberalen Muslime dagegen politisch Front machen – nach außen sichtbar und gemeinsam mit den demokratischen Parteien.

Deutsche Muslime können nicht glaubhaft mangelnde gesellschaftliche Integration beklagen, sich auf der anderen Seite aber bei brisanten Themen einfach wegducken. Vor diesem Hintergrund war es unverantwortlich, dass insbesondere der türkisch geprägte Islamverband Ditib den Kölner Friedensmarsch nicht unterstützte. Damit hat sich Ditib ein weiteres Mal ins Zwielicht gerückt. Schon bei der Ausspionierung von Moscheegemeinden im Auftrag der türkischen Regierung hatte der Verband eine unrühmliche Rolle gespielt. Jetzt sabotierte er das erhoffte große Signal für einen friedlichen, weltoffenen Islam in Deutschland.

Zufall? Ungeschicklichkeit? Man kann schon den Eindruck gewinnen, es steckt mehr dahinter: Ein Versuch, die Integration von türkischstämmigen Bürgern zu behindern, um auf solche Weise den eigenen Einfluss auf diese Menschen zu bewahren. Das zynische Kalkül: je enger die Verbundenheit zu Deutschland und dem Grundgesetz, desto loser die Bande zur alten Heimat und der dortigen Führung. Ditib gilt zu Recht als verlängerter Arm der Regierung Erdogans. Entsprechend deutlich sollten Bürger und Behörden endlich auf Distanz zu ihm gehen.

Auch hier sind in erster Linie die betroffenen Muslime selbst gefragt. Niemand zwingt sie, sich vor den politischen Karren von Ditib und Erdogan spannen zu lassen. Wer es dennoch tut, muss sich schon Fragen nach seiner demokratischen Einstellung und Zuverlässigkeit gefallen lassen. Denn beides geht nicht: Auf der einen Seite einem autoritären Regime nahestehen und folgen, auf der anderen Seite den deutschen Pass als eine Art selbstverständliche Zusatzversicherung beanspruchen, um alle Vorteile des hiesigen Wohlfahrtsstaats zu genießen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)